Unterwegs mit dem Nissan Micra Gruß aus dem Land des Lächelns

Der japanische Kleinwagen betört vor allem mit seiner niedlichen Form. Kleine Mängel verzeiht man da schon mal.

Von Marion Zellner

(SZ vom 3. / 4. 5. 2003 - ) Ein freundliches Aussehen hat noch niemanden geschadet - auch Autos nicht. Auch hier folgt so manches Erfolgsmodell dem klassischen Kindchen-Schema: große Kulleraugen im rundlichen Gesicht. Das lässt sie auf Anhieb niedlich erscheinen und löst fast unweigerlich Sympathie aus. Und bisweilen ungestüme Kauflust.

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Er sieht einfach putzig aus: der Nissan Micra

(Foto: Foto: autocert.de)

Ein neuer Spross dieser niedlichen Fahrzeug-Gattung ist Nissans Kleinster. Der Micra steht seit ein paar Wochen als Drei- und Fünftürer bei den Händlern: Hohes Kuppeldach, rundlich auslaufendes Heck und große Scheinwerfer unter Klarglasabdeckungen wecken bei Frauen Mutterinstinkte und lassen Männer zweimal hinschauen. Netter geht's kaum. Praktischer Gag am Rande: Kleine Höcker auf den Frontscheinwerfern dienen als Peilhilfen beim Einparken.

Platz ist keine Frage

Die 3,72 Meter lange dritte Micra-Generation ist zwar um drei Zentimeter kürzer als der Vorgänger, doch der Radstand wurde um sieben Zentimeter gestreckt. Das bedeutet: innen mehr Platz, auch lange Lulatsche sitzen kommod, hinten geht es naturgemäß etwas enger zu.

Die in der Länge verstellbare Rückbank ermöglicht bei Bedarf mehr Beinfreiheit - oder eben mehr Platz im Kofferraum. So lässt sich das Ladevolumen auf die Schnelle von 251 auf 371 Liter vergrößern. Bei umgeklappter Lehne sind maximal knapp 1000 Liter möglich. Wem das nicht reicht, der findet noch ein praktisches Fach unter dem Beifahrersitz, sicht- und diebstahlsicher.

Apropos Sitze: Sie sind eindeutig zu weich gepolstert. Die verschiedenen Kunststoffmaterialien und die Anordnung der Bedienelemente gefällt uns da weitaus besser. Alles lässt sich vom Fahrersitz aus einfach finden, die Instrumente sind leicht ablesbar. Daran ändert Gott sei Dank auch das modische, übrigens recht hübsche Innendesign nichts.

Agil und unüberhörbar

So pfiffig die Detaillösungen im Innenraum sind, so agil verhält sich der 1,4-Liter-Motor. Seine 88 PS / 65 kW machen den Micra gerade in seinem städtischen Heimatrevier zum wieselflinken Aufspürer kleinster Lücken zum Zwecke rasanter Fort-Bewegung.

Allerdings meldet sich der Vierzylinder bei höheren Drehzahlen vernehmlich zu Wort, erzwungene Höchstleistungen werden knurrend und dröhnend kommentiert. Da geht man auf Dauer gerne etwas vom Gas.

Als wenig erbaulich empfanden wir die Vier-Stufen-Automatik unseres Testwagens. Für stolze 1200 Euro zusätzlich schlägt man sich nämlich mit einem Schaltapparat herum, der tut, was und wann er will, und das auch noch ziemlich ruppig. Auf kurvigen Strecken erweist sich diese Unentschlossenheit der Automatik als echter Lustkiller.

Freude am Fahren

Denn eigentlich könnte der Micra, dank seiner Wendigkeit und seines unproblematischen, gutmütigen Fahrwerks, auf freier Strecke ein echtes Spaßmobil sein. Nachdrücklich, allenfalls ein wenig zu bissig, legen sich die Bremsen ins Zeug. Der Tritt aufs Pedal wird so zügig in Verzögerung umgesetzt, dass man froh ist, angegurtet zu sein.

Trotz der kleinen Mängel ist der Nissan Micra 1.4 dank drehfreudigem Motor, praktischen Ideen und ansprechendem Interieur ein ernst zu nehmener Kandidat im hart umkämpften Kleinwagen-Segment. Auch die originelle und freundliche Karosserie wird so manches Käuferherz erwärmen.

Und nicht zuletzt sein Preis von mindestens 12.700 Euro - Servolenkung, elektrische Fensterheber, vier Airbags und Isofix-Kindersitzbefestigungen inbegriffen - wird dem einen oder anderen ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Nissan Micra 1.4: 65 kW (88 PS); max. Drehmoment: 128 Nm bei 3200 Umdrehungen; 0 -100 km/h: 11,9 Sek.; Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h; Verbrauch: 6,3 l Super; Preis: ab 12.700 Euro