Unterwegs im neuen BMW Siebener Hightech zu hohen Preisen

BMW hat die vierte Generation seiner Luxus-Limousine überarbeitet. Sichtbar sind die Veränderungen kaum, doch Fahrwerk, Sicherheit und Antriebe sind deutlich besser geworden. Aber als rollende Multimedia-Schaltzentrale kann der teure Siebener nicht überzeugen. Eine Ausfahrt.

Von Sascha Gorhau, Sankt Petersburg

BMW hat an seiner Oberklassen-Limousine emsig gefeilt, spricht von der größten Überarbeitung im Rahmen einer Modellpflege, die es jemals in München gegeben haben soll. Design, Fahrwerk, Antriebe, Effizienz, Fahrassistenten und Mobilitätsdienste hat BMW überarbeitet. Die Modifikationen allerdings sind nicht bei jeder Maßnahme ersichtlich.

Vor allem äußerlich hat sich BMWs Flaggschiff kaum verändert. Das ist auch nicht notwendig, denn als Luxuslimousine muss das Design eher dem Gesetz der Zeitlosigkeit entsprechen, im konkreten Fall sieben Jahre lang. Dies ist nämlich der typische Zyklus, in dem BMW eine komplett neue Generation seiner Oberklasse vorstellt. So ist der Einbau der markentypischen Doppelscheinwerfer mit LED-Technologie das prägnanteste äußere Merkmal des überarbeiteten Siebeners.

Der Innenraum ist der einer Limousine aus der Oberklasse. Das hat sich auch nach der Überarbeitung nicht geändert und bedeutet hochwertige Materialien, exzellente Verarbeitung und zahllose Luxusfeatures. Auf die Connected Drive-Technologie ist BMW besonders stolz. Darunter versteht der Autobauer die Kombination von Assistenzsystemen und Mobilitätsdiensten, einen weiten Spagat zwischen Unfallfrüherkennung und Twitter.

Das Auto warnt bei Dunkelheit vor Personen in Fahrbahnnähe

Die auffälligste Sicherheitsneuerung nennt sich Dynamic Light Spot. Das System identifiziert bei Dunkelheit mittels Wärmeerkennung Lebewesen auf der Straße, beziehungsweise in Fahrbahnnähe und bildet diese auf dem Bildschirm im Fahrzeuginneren ab - Tiere mit roter Silhouette, Menschen mit einer gelben. Entdeckt die Technik einen Menschen auf der Fahrbahn, so signalisiert es dies dem Fahrer und leuchtet die Person mit LED-Scheinwerfern an, welche sich in der Front befinden. Tiere werden nicht angestrahlt, sondern nur im Innenraum angezeigt.

Um den großen BMW weiter als mobiles Büro auszubauen, wurde das Navigationssystem Professional unter anderem mit einer Diktierfunktion und einer Sprachsteuerung erweitert. Vor allem durch die Sprachsteuerung erhofft sich BMW einen entscheidenden Innovationsvorteil gegenüber der Konkurrenz Audi A8 und Mercedes S-Klasse. Leider stand ebendiese Funktion während der Testfahrten nicht zur Verfügung. Als Sinnbild der Komplexität des Systems seien die acht Schnellbedienungstasten in der Mittelkonsole genannt. Auf diese können beispielsweise Reiseziele, Unterhaltungsformate wie ein bestimmter Radiosender oder das Lieblingsalbum oder Telefonnummern programmiert werden. Wäre das System simpel und intuituv, wären diese wohl nicht notwendig.

Keine Rätsel hingegen geben die Triebwerke auf. Die Rollen dort sind klar verteilt: Hauptsächlich für den europäischen, speziell den deutschen Markt, sind die Dieselmodelle von Bedeutung. Als Volumenmodell wird der V8-Benziner im 750i fungieren, das Prestigemodell ist traditionell der V12-Benziner, der vor allem in Asien, Russland und im Nahen Osten als Langversion geordert werden wird. Ohnehin werden schon lange mehr Lang- , als Kurzversionen verkauft.

Das Öko-Aushängeschild ist der Active Hybrid7. Mit ihm waren wir unterwegs. Er schöpft 354 PS aus sechs Brennkammern und der Leistung des zusätzlichen Elektromotors. Damit kann er erstmals mehrere Kilometer rein elektrisch fahren und wird so zum Vollhybrid. Der Durchschnittsverbrauch von knapp über acht Litern Benzin ist ein hervorragender Wert für eine Limousine mit einem Gewicht von knapp zwei Tonnen. Der Active Hybrid7 spart, wo er nur kann: Sogar die Multifunktionsanzeige hinter dem Lenkrad ist nur analog zu haben - die Maßnahme benötigt weniger Energie als die komplett digitalen Armaturen, welche in den übrigen Modellen verbaut werden können.