Unterwegs im Mazda MX-5 Vom Vorteil des Verzichts

Erhältlich mit Stoffverdeck oder Klappdach: der Mazda MX-5.

(Foto: Mazda)

Weniger Gewicht, weniger Schalter im Cockpit, weniger Schnickschnack. Der Mazda MX-5 ist ein Roadster, der sich auf das Wesentliche konzentriert: gute Fahreigenschaften und einen vertretbaren Preis. Eine radikale Fahrmaschine hingegen ist er nicht.

Von Sascha Gorhau

Einen Mazda MX-5 in einer Tiefgarage zu finden, ist gar nicht so leicht. Er ist flach, er ist schlank und insgesamt ein kleines Auto. Das darf in der automobilen Gegenwart, in der bereits ein Kleinwagen wie ein VW Polo vier Meter misst, durchaus als außergewöhnlich gelten.

Überhaupt fällt der kleine Japaner angenehm aus dem Zeitgeist, will weder praktisch noch flexibel sein. Stattdessen erwartet er viel Entgegenkommen vom Fahrer. Man könnte auch sagen, Verzicht: Verzicht auf Luxus, auf überflüssiges Gepäck - und bei Bedarf auch auf ein Dach. Sogar dabei bewahrt sich der Roadster seine eigene Note. Während die meisten Autobauer aktuell auf Stoffverdecke setzen, schließt sich über dem MX-5-Fahrer auf Wunsch ein elektrisch versenkbares Klappdach. MX-5 Coupé nennt Mazda das. Puristen erhalten nach wie vor ein Dach aus Stoff.

Nur ein Kofferräumchen. Na und?

Beides nimmt im hinteren Teil des Fahrzeugs viel Platz in Anspruch. Kümmerliche 150 Liter Gepäck lassen sich im Kofferräumchen verstauen. Na und? Der MX-5 ist ein Roadster und will ein Fahr-Zeug sein, kein Familienfreund. Das bedeutet: direktes Fahrwerk mit guter Rückmeldung, enge Sportsitze mit viel Seitenhalt und kerniger Motorsound.

Angst jedoch muss niemand vor dem MX-5 haben. Denn er ist zwar ein Roadster, aber nicht radikal. Eine elektrische Stabilitätskontrolle ist serienmäßig, eine Klimatisierungsanlage ebenfalls und im Coupé ist sogar ein Tempomat an Bord. Der Fahrkomfort ist zudem immer noch ausreichend, um nicht nur eine Spritztour am Sonntagnachmittag drehen zu können, sondern ermöglicht auch ein langes Wochenende zu zweit.

Kofferräumchen mit 150 Litern Volumen.

(Foto: Mazda)

Viel Gepäck können die Passagiere nicht mitnehmen. Dafür haben sie das Gefühl, von unnötigem Ballast befreit zu sein. Zum Beispiel von zahllosen Tasten, die eine intuitive Bedienung eher verhindern als befördern. Aufgeräumt und schnörkellos ist der Innenraum generell. Dazu passen auch die klassisch analogen Anzeigen mit Öldruckanzeige.

Saugmotoren statt Turboaufladung

Als klassisch könnte man es auch bezeichnen, dass Mazda im MX-5 noch Saugmotoren verbaut und auf Turboaufladung verzichtet. Doch die Zwangsbeatmung vermisst man nicht. Selbst die gefahrene Basisversion mit 1,8 Litern Hubraum und 126 PS sorgt für ausreichende Fahrwerte. Dazu benötigt das Aggregat zwar hohe Drehzahlen, doch eisiges Schweigen im Innenraum erwartet ohnehin kein Roadster-Käufer. Zur Agilität trägt natürlich auch bei, dass der MX-5 nur 1150 Kilogramm im Leerzustand wiegt. Die knackige Fünfgangschaltung vervollständigt den guten Fahreindruck. Nicht auf der Höhe der Zeit ist dagegen der Verbrauch. 8,7 Liter waren es im Testbetrieb durchschnittlich.

Davon abgesehen ist ein MX-5 gar nicht so unvernünftig, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Gegenteil: Viele Selbstverständlichkeiten des Lebens in der automobilen Gegenwart sind nett, aber nicht überlebensnotwendig. Der MX-5 überfordert nicht und treibt seinen Purismus nicht mit wahnwitziger Leistung oder knüppelharten Fahrwerk auf die Spitze. Auch der Preis ist nicht übertrieben: 25.530 Euro kostete der gefahrene Testwagen. Die Suche im Parkhaus gibt's kostenlos dazu.

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.