Untersuchung zu Biosprit Ärger im Tank

Biokraftstoffe sind angesichts steigender Rohstoffpreise noch immer die Hoffnung vieler Autofahrer auf günstigeren Sprit. Einer neuen Studie zufolge sind sie außerdem besser als ihr Ruf. Doch Kritiker sind nicht überzeugt.

Von Silvia Liebrich

Weg vom Öl, das wollen in diesen Tagen viele - Autofahrer, Transportunternehmen, Hausbesitzer und die Industrie. Alle sind sie abhängig vom fossilen Brennstoff Öl und leiden unter dem Anstieg der Rohstoffpreise. Ein Ende des Aufwärtstrends ist angesichts der Iran-Krise nicht in Sicht. Doch welche Alternativen gibt es?

Eine neue Studie will den Zweifel am Klima-Nutzen von Biosprit ausräumen - doch Kritker zeigen sich nicht überzeugt.

(Foto: dpa)

Elektromobilität und Wasserstoffantrieb stecken noch in den Kinderschuhen, Wind- und Sonnenenergie stehen nur begrenzt zur Verfügung. Bleiben noch Biokraftstoffe, hergestellt aus Pflanzenöl, Zuckerrohr oder Pflanzenresten. Doch diese stehen im Verdacht, Lebensmittelpreise nach oben zu treiben. Spätestens seit der Einführung des umstrittenen E-10-Benzins zweifeln viele Verbraucher auch an der Umweltfreundlichkeit von Biosprit.

Doch stimmt das wirklich? Die Einschätzungen darüber gehen auseinander. Die Studien zu diesem Thema häufen sich. An diesem Donnerstag kommt eine weitere hinzu. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) legt in Berlin eine Studie der Universität Gießen vor, die zeigen soll, dass Biosprit längst nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Überraschend ist das nicht - angesichts des Auftraggebers.

Fazit der Untersuchung ist, dass vor allem Energiepreise wie Ölnotierungen, technischer Fortschritt sowie Einkommens- und Bevölkerungswachstum die Preise von Agrarerzeugnissen bestimmen. Die politisch gewollte Förderung von Biokraftstoffen übe dagegen nur einen moderaten Einfluss aus, meint der Agrarexperte und Autor der Studie, Professor Michael Schmitz. Hunger und Armut in Entwicklungsländern seien zum überwiegenden Anteil hausgemacht, nicht das Ergebnis von Weltmarkteinflüssen. Als Hauptgründe nennt er schlechte Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriege und Wetterextreme in den armen Ländern. Überschätzt wird der Studie zufolge auch der Einfluss von Spekulanten auf die Weltmarktpreise.

Kritik von Foodwatch und EU

Trotzdem bleibt die Förderung von Biokraftstoffen höchst umstritten. So kam etwa die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch vor kurzem zu einem ganz anderen Ergebnis. Die weltweit zunehmende Produktion von Biokraftstoffen und Finanzgeschäfte seien sehr wohl für das wachsende Hungerproblem verantwortlich, heißt es dort in einer Studie.

Auch die EU-Kommission hegt Zweifel am Nutzen von Biokraftstoffen. Sie veröffentlichte vor kurzem eine Untersuchung, aus der hervorgeht, dass der in Deutschland weit verbreitete Rapsanbau für Biodiesel eine negative Bilanz aufweist, wenn man die Nebenwirkungen berücksichtigt. Demnach müssen Bauern wegen der höheren Nachfrage nach Energiepflanzen neue Flächen erschließen, was zusätzliches CO2 produziere. Ähnliches gelte auch für Palmöl und Soja.

Der Ausbau der Biokraftstoffproduktion sorgt innerhalb der Europäischen Union seit längerem für Streit. Bis 2020 müssen die EU-Staaten zehn Prozent der Kraftstoffe durch Biosprit ersetzen. Wie das genau geschehen soll, daran wird derzeit in Brüssel gearbeitet. Dabei sollen auch indirekte Umweltfolgen berücksichtigt werden.

In Deutschland kämpfen Biokraftstoffhersteller ums Überleben. Seit die Förderung von Biodiesel radikal gekürzt wurde, brach der Absatz von reinem Biodiesel fast vollständig zusammen. Auch die Einführung von E-10-Benzin, das Ethanol enthält, hat die Erwartungen enttäuscht. Viele Autofahrer wollen vom Biosprit nichts wissen. Zweifel am ökologischen und ökonomischen Nutzen bleiben, und die kann auch die neue Studie des VDB nicht ausräumen.