Unglück in Italien Wie sicher sind Busreisen?

Vor allem an langen Wochenenden oder in den Ferien sind Reisebusse als Alternative zu Flugzeug und Bahn sehr gefragt

(Foto: Catherina Hess)

Der Schreckensmeldung aus Neapel zum Trotz: Der Reisebus ist eines der sichersten Verkehrsmittel. Denn der Busbetrieb ist europaweit durch hohe technische und rechtliche Sicherheitsstandards gekennzeichnet.

Von Michael Neißendorfer

Mehr als 5,3 Milliarden Fahrgäste waren 2011 in Bussen auf deutschen Straßen unterwegs. Die Anzahl der getöteten Businsassen lag bei zehn Menschen. Eine geringe Zahl, verglichen mit den Todeszahlen anderer Verkehrsmittel: Im selben Jahr starben 2764 Auto- und Motorradfahrer, 614 Fußgänger und 399 Fahrradfahrer.

Doch angesichts des schweren Busunglücks bei Neapel mit mehr als 39 Toten sind viele Menschen verunsichert, ob Busfahren wirklich so sicher ist. Analog zu Flugzeugabstürzen und Zugunglücken gilt auch für Busunfälle: Verunglückt ein Massenverkehrsmittel, sind oftmals dutzende, womöglich hunderte Personen betroffen. Das erhöht das mediale Interesse. Anders als beispielsweise bei Unfällen mit Pkw-Beteiligung wird oft überregional berichtet - bisweilen auch international. Dadurch kann in der Öffentlichkeit ein falsches Bild entstehen.

Busunglück in Süditalien "Es gibt keine Worte dafür"

Der italienische Ministerpräsident Enrico Letta zeigt sich angesichts des schweren Busunglücks in Süditalien bestürzt. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf 38 gestiegen, zehn Menschen sind verletzt. Über die Unfallursache wird noch spekuliert.

Was aber tun Hersteller und Gesetzgeber für die Sicherheit im Busverkehr? Welche Anforderungen gelten für Busfahrer und auf welche technischen Hilfsmittel können diese vertrauen? Und was können die Businsassen selbst für ihre Sicherheit tun?

Risikofaktor Mensch

Der Risikofaktor Nummer Eins sind die Busfahrer, die neben einem normalen Führerschein auch über einen speziellen Personenbeförderungsschein verfügen müssen. Die Hürden, um diesen zu erlangen, sind verglichen mit einem Pkw-Führerschein sehr hoch. "Wer ein 400.000 Euro teures Fahrzeug mit bis zu 70 Insassen lenkt, kann kein Kutscher sein. Die Ausbildung zum Busfahrer ist nicht ohne und kostet viel Zeit und viel Geld", sagt Johannes Hübner, Sicherheitsbeauftragter des internationalen Bustouristik-Verbands RDA.

Wer als Busfahrer arbeitet, wird regelmäßig untersucht und auf seine Fahrtüchtigkeit hin geprüft. Im Abstand von fünf Jahren sind ein Gesundheits-Check sowie eine augenärztliche Untersuchung erforderlich. Gleichzeitig müssen Busfahrer - ähnlich wie Piloten - alle fünf Jahre Fahrsicherheitstrainings absolvieren, um im Fahralltag und in Ausnahmesituationen sicher und routiniert agieren und reagieren zu können.

Busfahrer ab dem 50. Lebensjahr müssen zudem Untersuchungen zu Orientierungsleistung, Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit durchlaufen. Außerdem gilt für alle Busfahrer am Steuer ein absolutes Alkoholverbot.

Die EU-Vorschriften, die seit Anfang 2013 gültig sind, regeln auch die Pausen und Mindestruhezeiten für Busfahrer. Grundsätzlich gilt, dass die täglich zulässige Lenkzeit von neun Stunden nicht überschritten werden darf. Spätestens nach der Hälfte der Zeit muss der Fahrer 45 Minuten Pause machen. In der Pause soll sich der Fahrer erholen, er darf keine anderen Tätigkeiten ausführen. Außerdem gilt eine tägliche Ruhezeit von mindestens neun Stunden am Stück. Für die Arbeitswoche eines Busfahrers gilt: es muss einen Zeitraum von mindestens 45 Stunden am Stück geben, in denen er die Arbeit ruhen lässt.

Risikofaktor Technik

Ein moderner Reisebus ist als langlebiges Wirtschaftsgut auf hohem technischen Niveau gebaut. Von ABS bis zu verschleißfreien Zusatzbremsen stecken moderne Reisebusse voller technischer Raffinessen, die die Fahrsicherheit erhöhen sollen.

Dazu gehören auch elektronische Stabilitätsprogramme sowie Notbrems- und Spurhaltesysteme, die jedoch erst ab Ende 2013 Pflicht für Reisebusse werden sollen. Elektronische Stabilitätsprogramme sollen bei plötzlichen Lenkradbewegungen verhindern, dass das Fahrzeug schleudert. Wenn es brenzlig wird, können Notbremssysteme eine automatische Vollbremsung einleiten. Ein Unfall ist damit zwar oft nicht mehr zu verhindern, allerdings kann die Aufprallgeschwindigkeit deutlich herabgesetzt und die Verletzungsgefahr für Insassen vermindert werden. Auch Spurhalteassistenten alarmieren den Fahrer, wenn ein Aufprall oder ein Verlassen der Fahrbahn droht.