Autotuning Wenn Städte die Autotuner aussperren

Getunte Autos wie dieses (bei einer Tuning-Messe in Friedrichshafen) kollidieren an Karfreitag durchaus mit christlichen Werten.

(Foto: obs)

Mit dem "Carfreitag" feiert die Tuningszene ihren Saisonauftakt. Einige Gemeinden fürchten nun um Ruhe und Sicherheit. Aber ist das fahrende Volk wirklich so gefährlich?

Von Josef Kelnberger

Man hätte sich den Reiz des Autotunings gern von ihnen persönlich erklären lassen, hätte sich Tipps geholt, wie der lahme Golf ein wenig aufzumotzen wäre. Aber sie ließen das vereinbarte Gespräch in Singen (Hohentwiel) platzen. Die Lage sei schwierig, sagen sie. Denn die Stadt in der Nähe des Bodensees ist zum Kampfplatz geworden.

Tuner in ganz Deutschland wollen den Karfreitag zum Carfreitag machen. Es ist ja sonst nichts los, und das Wetter ist in der Regel auch schön. Also treffen sie sich, um zu bestaunen, was den Winter über so geschraubt und gebastelt wurde. Sie trinken das eine oder andere Bier und geben ein ganz klein wenig Gas, nach dem Motto: Zeige deine Karre!

"Der falsche Gebrauch einer Waffe"

Kölns früherer Oberbürgermeister Fritz Schramma hat bei einem illegalen Autorennen seinen Sohn verloren. Er plädiert für härtere Strafen: "Sie sind Töter", sagt er über die Raser. Interview von Sebastian Fischer mehr ...

Stadtverwaltungen und Polizei in ganz Deutschland wiederum wollen den Leuten, die ihre Straßen und Plätze von Frühling bis Herbst belagern und Anwohnern auf die Nerven gehen, am Karfreitag zeigen, was eine Spaßbremse ist.

Für Brandenburg kündigt die Polizei verstärkte Präsenz und Geschwindigkeitskontrollen an. In Paderborn werden die Autotuner auf Basis des nordrhein-westfälischen Feiertagsgesetzes ausgesperrt. In Taucha, Sachsen, verhängte man eine "Allgemeinverfügung", um die Tausenden Tuner aus ganz Mitteldeutschland fernzuhalten, die immer wieder dort einfallen. Ähnlich verfährt die Stadtverwaltung in Singen. Erlassen wurde, wie schon vergangenes Jahr, eine "Allgemeinverfügung nach den Paragrafen 1 und 3 des baden-württembergischen Polizeigesetzes": Tuner müssen draußen bleiben. Es geht um Abwehr von Gefahren für das Gemeinwesen, um öffentliche Sicherheit und Ordnung. Drängt sich die Frage auf: Ist dieses fahrende Volk wirklich so gefährlich?

Früher vergnügten sich die Tuner im Einvernehmen mit der Polizei

Singen verfügt über ein großes Industriegebiet mit breiten Straßen und Verkehrskreiseln, durch die es sich gefährlich gut driften lässt. Fahrradfahrern gefällt das weniger. Es soll auch schon Handgreiflichkeiten zwischen Tunern und genervten Anwohner gegeben haben. Erschwerend kommt hinzu, dass als Problempiloten viele Schweizer identifiziert werden. Die alteingesessenen Tuner aus Singen vergnügten sich meist im Einvernehmen mit der Polizei. Doch nun, so heißt es, fahren immer mehr Schweizer über die Grenze, um mal so richtig die Sau rauszulassen.

Die Polizei hat jeden Freitag jede Menge zu tun, um die Tunertreffs zu bändigen. Massive Kontrollen, erhöhte Bußgelder, Tempo 30, jeden Freitag von März bis Oktober. Einer der Kreisel wird dann für den Verkehr gesperrt, Anwohner sprechen Hausverbote aus, damit Parkplätze nicht mehr genutzt werden können. Als vor einigen Wochen die Saison 2017 begann, vertrieb die Polizei die Tuner mit großem Aufgebot. Auf der Autobahn A81 wurden sie dann ausgiebig geblitzt. Der Rekordhalter fuhr im Baustellenbereich 184 km/h. Erlaubt waren 80.

Aber ein deutscher Strafbefehl ist für einen Fränkli-Bürger bloß Pipifax, oder?