Toyotas Brennstoffzellenauto Ein Ingenieurstraum wird Wirklichkeit

Toyota will schon 2015 sein erstes Brennstoffzellenauto auf den Markt bringen.

(Foto: dpa-tmn)

Als einer der ersten Autohersteller bringt Toyota ein Auto mit Wasserstoffantrieb auf den Markt. Und das zu deutlich günstigeren Preisen als bislang angenommen. Plötzlich steht die zuvor zögernde Konkurrenz unter Druck.

Von Max Hägler, Stuttgart

Gefährlich scheint dieser Wagen zu sein und dieser Treibstoff, das ist die erste Reaktion, wenn man in Kirchheim unter Teck an dieser kleinen Tankstelle mit dem rostigen Dach steht: Gerade wird ein Mercedes aufgefüllt, und die Mitarbeiter reichen eine zweiseitige laminierte Infokarte herum - damit jeder der Umstehenden weiß, worauf beim Tanken von Wasserstoff zu achten ist. Wenn der Dichtring beschädigt ist, möge man den Betankungsvorgang sofort abbrechen. Und sollte man die schwere Tankkupplung einmal fallen lassen, dann möge man sofort das Tankstellenpersonal informieren, wenn sich nicht ohnehin die Warnblinkanlage automatisch einschaltet. Wasserstoff, das ist eben ein hochexplosives Zeug.

Mit der Kraft des Wasserstoffs

Toyota will Wasserstoffautos bis 2020 massentauglich machen. Im kommenden Jahr geht es mit dem ersten Serienauto los. Dessen Technik ist vielversprechend, aber auch sehr teuer. mehr ...

Wobei es sich ordentlich damit fährt. Vollgetankt surrt der B-Klasse-Mercedes danach leise und mit gutem Drehmoment durch die Landschaft. Es ist vielleicht eine Zukunft des Fahrens, die ohne Benzin auskommt und nur Wasserdampf und Wärme emittiert. Wer weiß - denn noch sind es nur Testwagen, die hier in Kirchheim unter Teck vorgeführt werden. Ingenieurträume gewissermaßen, die ein wenig ein Schattendasein fristen. Wenn es auch die Ansage gibt: Bis 2017 sollen Mercedes-Autos mit der Technik auf den Markt kommen.

Jetzt aber prescht die Konkurrenz aus Asien vor und bringt das Thema Wasserstoff offenbar schneller in Serie. Die Daimler-Forscher haben das Nachsehen.

Steuererleichterungen sollen den Verkauf der neuen Autos fördern

Toyota, der größte Autohersteller der Welt, will von April 2015 an erstmals ein Auto mit dieser Technik verkaufen. Das ist früher als von der Branche bislang spekuliert. Und der Wagen soll auch noch deutlich günstiger sein als erwartet: Umgerechnet 50 000 Euro soll eine Limousine kosten. Im Sommer 2015 soll das Auto dann auch in den USA sowie in Europa auf den Markt kommen.

Es ist in der Tat eine bemerkenswerte Nachricht. Denn seit Jahrzehnten kämpfen gerade Automobilhersteller mit technischen und preislichen Herausforderungen bei dieser Energievariante: Ein Wagen mit Elektromotor bekommt dabei seinen Strom weiter über einen Akku, der aber nur noch Puffer ist und seinerseits gespeist wird über Brennstoffzellen, in denen getankter Wasserstoff mit Sauerstoff reagiert. Dadurch entsteht Energie; als Abgas entweicht nur Wasserdampf statt schädlicher Abgase.

Klingt umweltfreundlich, allerdings ist die Produktion von Wasserstoff extrem energieintensiv. Eine Infrastruktur mit Tankstellen existiert bisher nicht. Die Haltbarkeit der Brennstoffzellen ist begrenzt und die darin verwendeten Materialien - etwa Platin - teilweise sehr selten und teuer. Und dann ist da die Frage der Lagerung: Wie genau soll das Gas gelagert und transportiert werden? 600 Bar Druck und mehr herrschen in den Tanks.