Hybrid-Serienmodell ist zunächst nur in Japan auf dem Markt

(SZ vom 23.05.1998) Es ist wie bei dem Esel und der Karotte. Das arme Tier hat den Leckerbissen vor Augen und kann ihn nicht erwischen. So ähnlich haben sich das wohl die Verantwortlichen von Toyota gedacht, als sie der Presse den Prius zum Probefahren vor die Nase stellten. Eine Markteinführung ist in Europa zunächst nämlich nicht geplant. Dabei ist der Prius das Flaggschiff im neuen Eco-Konzept des japanischen Herstellers. Er ist das weltweit erste Hybrid-Fahrzeug, das in großen Stückzahlen vom Band läuft. Wie notwendig der Schwenk zu umweltfreundlichen Technologien gerade in Japan ist, verdeutlicht der kleine Fernseher, der im Prius die Mittelkonsole ziert: In Großstädten wie Tokio steht der Japaner so lange im Stau, daß er auf dem Weg ins Büro oder nach Hause problemlos einen Spielfilm anschauen kann. Experimente für Europa

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Zu den Zielen der Entwickler zählen unter anderem die Verbesserung konventioneller Motoren, neue Hybrid-Antriebe sowie reine Elektroautos. Die beiden letzteren werden zumindest vorerst ausschließlich auf dem japanischen Markt angeboten. Doch gerade bei asiatischen Herstellern wird oft erst eine Weile im eigenen Land experimentiert, ehe Europa und Amerika drankommen.

Der Prius wird in Japan seit Dezember 1997 zum Preis von etwa 32 000 Mark verkauft. 1000 Stück im Monat wurden bisher produziert, von Juni an sollen es 2000 werden. Das Toyota Hybrid System (THS) hat also im eigenen Land Erfolg. Kernstück ist eine Kombination aus Benzin- und Elektroantrieb. Beim Prius arbeiten unter der Haube ein speziell entwickelter 1,5-Liter-Motor mit 43 kW (58 PS), außerdem ein Elektromotor und ein Generator. Dazu kommen Nickel-Metall-Batterien hinter den Rücksitzen. Toyota garantiert eine Lebensdauer von fünf Jahren oder 100 000 Kilometern für die Batterien, die Ingenieure meinen aber, daß sie weitaus länger treu ihren Dienst verrichten. Der Prius muß nie an die Steckdose, das Nachladen übernimmt der konventionelle Antrieb.

Und das funktioniert folgendermaßen: Startet man den Wagen, übernimmt der Elektromotor. Bei normaler Fahrt schaltet unmerklich der Benzinmotor zu. Dabei wird die Kraft zweigeteilt: Ein Teil wird zum Vortrieb genutzt, der andere lädt die Batterien nach. Gibt man Vollgas, arbeiten beide Triebwerke zusammen. Läßt man den Prius ausrollen oder bremst, wird die entstehende Energie wieder den Batterien zugeführt. Bleibt man an der Ampel stehen, geht sofort der Benzinmotor aus. Beim Anfahren beginnt der Zyklus von neuem. Das motor-interne Energiemanagement übernimmt ein Computer. Der Prius soll eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichen, bei nie mehr als 4000/min.

Was nun die Energie- und Schadstoffbilanz angeht, lassen sich die Japaner zu keinen konkreten Aussagen verleiten. Die Rede ist von 28 Kilometern Fahrtstrecke pro Liter, das wäre ein Spirtverbrauch von 3,5 Litern auf 100 Kilometer. Außerdem soll der Schadstoffausstoß nur ein Zehntel der in Japan vorgeschriebenen Werte betragen. Auf europäische Maßstäbe will man nicht umrechnen, bedauerlich, schließlich wäre der Prius gerade für den Flottenbetrieb großer Betriebe eine Alternative zum Dieselfahrzeug.

Voraussetzung für einen umweltgerechten Betrieb ist dennoch ein mitdenkender Fahrer. Dem hilft ein Display, das anzeigt, wieviel Energie durch die einzelnen Komponenten des Antriebs fließt, und bei welcher Fahrweise möglichst häufig der Elektroantrieb eingreift oder die Batterie nachgeladen wird. Dazu muß man anmerken, daß der Prius nicht für die Langstrecke konzipiert wurde, dann wird er zum "normalen" Auto, das vermutlich für das ständige Nachladen der Batterie etwas mehr Sprit verbraucht als ein reines Benzin-Fahrzeug.

Auch bei der Optik wurde einiges getan: Das Design ist modern und schnittig, die Innenausstattung läßt keinen Wunsch offen. Da der Schalthebel für die Automatik am Armaturenbrett angebracht und kein Mitteltunnel vorhanden ist, kann man vorne durchsteigen und auf den Hinterbänken haben auch größere Menschen Platz. Trotz der Batterien im Kofferaum bleibt in dem 4,27 Meter langen Wagen genug Raum für die Einkäufe für die ganze Familie.

Die Japaner locken also und und wecken Begehrlichkeiten. Vielleicht ein geschickter PR-Trick, um den europäischen Markt auf die Hybrid-Zukunft einzustimmen.

Von Petra Payer

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