Fahrt in die E-Zukunft: Tesla Elektroschock

Erfolgreicher Börsengang, starke Partner, neue Modelle für eine postfossile Gesellschaft: Die einstige Start-up-Firma Tesla zeigt den Weg hin zu einer neuen Automobilkultur. Ein Besuch.

Von Joachim Becker

Die Welt im Silicon Valley dreht sich nicht um Autos, Revolutionen finden hier vor allem digital statt. In der Heimat von Apple, Google und Ebay scheint Hardware auf vier Rädern keine besonders gute Geschäftsidee zu sein.

Um so erstaunlicher, dass ein Entwickler von Elektroautos zum Unternehmer des Jahres 2010 gekürt wurde: Elon Musk ist im Tal der Software-Träume kein Unbekannter. Seine erste Start-up-Firma brachte ihm 15 Millionen Dollar ein. Als nächstes entwickelte er das Online-Bezahlsystem PayPal, dessen Verkauf das Zehnfache für ihn abwarf. Da war der Physiker, der sein Promotionsstudium an der elitären Stanford University geschmissen hatte, gerade 31 Jahre alt.

Elon Musk hat gezeigt, dass er die Sprengkraft einer Idee nutzen kann, die zur rechten Zeit kommt. Seit 2003 arbeitet er daran, die Spielregeln in der Automobilindustrie zu ändern - und ist daran fast pleitegegangen. Während der Entwicklung des ersten Modells von Tesla ging ständig etwas schief. Das Getriebe hielt den hohen Drehzahlen des Elektromotors nicht stand, auch das Grundfahrzeug von Lotus machte Probleme.

Die Produktionskosten des Tesla Roadsters übertrafen den Verkaufspreis von 100.000 Dollar, und die Investoren mussten immer neues Geld nachschießen. 2007 steckten 100 Millionen Dollar Risikokapital in dem Zweitürer, dessen Anlauf sich immer weiter verzögerte.

Dass Tesla vor gar nicht so langer Zeit als Pleitekandidat galt, machte die Erfolge im vergangenen Jahr um so sehenswerter. Der Börsengang erbrachte 225 Millionen US-Dollar, und ein Staatskredit in Höhe von 460 Millionen US-Dollar sichert das Überleben für weitere drei Jahre. Als Auto-Didakt hat Elon Musk von Fahrzeugentwicklung zwar keine besondere Ahnung. Dafür besitzt er Durchhaltevermögen und ein Gespür für die richtige Strategie.

Ein echter Coup gelang ihm, als er 2010 von Toyota eine komplette Automobilfabrik in Fremont unweit des Firmensitzes bei Palo Alto übernahm. Experten schätzen den Wert des Standorts auf rund eine Milliarde US-Dollar. Tesla bezahlte lediglich 42 Millionen für ein Werk, das schon 2012 die kommende Generation von Elektrofahrzeugen produzieren kann.

Tesla fährt mit einer Dynamik und Risikofreude auf der Überholspur, die in der Branche derzeit ihresgleichen sucht. Obwohl der Elektro-Pionier erst 1500 Autos hergestellt hat, wurden fast genau so viele Mitarbeiter eingestellt. In einer ausrangierten Lagerhalle bei Palo Alto werden der Roadster und die ersten Versuchsträger des Model S in Handarbeit zusammengeschraubt.