Taxi-Service Uber Nimm mich mit!

Der Service Uber macht den Taxis Konkurrenz - selbst in der Taxi-Hochburg New York City.

(Foto: dpa)

Taxi war gestern: In Amerika macht das Unternehmen Uber Furore, das private Chauffeure mittels einer Smartphone-App mit Kunden verbindet. Jetzt will es nach Europa expandieren - und stößt auf wenig Gegenliebe.

Von David Hesse

Eine Taxifahrt durch Washington kann anregend sein. In der US-Hauptstadt haben viele Fahrer ganztags den Nachrichtensender NPR laufen und sind besser informiert als die Bundesbeamten und Lobbyisten, die sie chauffieren. Und so kann es einem Reporter passieren, dass er nach Erreichen des Fahrziels eine Viertelstunde im Wagen sitzen bleibt, um mit einem greisen äthiopischen Taxifahrer das Problem verschärfter Sanktionen gegen den Iran zu diskutieren.

Trotzdem werden Taxis immer unbeliebter. Telefonische Bestellungen funktionieren kaum, auf der Straße muss man lange stehen, manche Fahrer fragen nach dem Zielort und fahren weiter, wenn ihnen die Richtung nicht zusagt. Und wer es an Bord eines Wagens geschafft hat, muss sich nicht selten mit interessantem Müll im Fußraum auseinandersetzen. Auch deshalb hat es eine erst fünf Jahre alte Firma namens Uber leicht, den Taximarkt Nordamerikas zu revolutionieren. In 45 Städten ist Uber bereits präsent, im Monatstakt werden es mehr. Von Atlanta bis Tucson, von Montréal bis Oklahoma City. Immer mehr Kunden bestellen sich ein Uber statt ein Taxi. Auch in Asien und Europa. Dabei besitzt Uber kein einziges eigenes Auto.

Wie eine Mitfahrzentrale

Das Unternehmen bringt private Automobilisten mit zahlender Kundschaft zusammen, funktioniert also wie eine Mitfahrzentrale. Neu ist die Sofortvernetzung von Angebot und Nachfrage unter einem Markendach. Dies geschieht über eine Smartphone-App. Wer das Programm auf dem Handy startet, bekommt einen Stadtplan zu sehen, auf dem der eigene Standort und die in der Umgebung verfügbaren Autos markiert sind. Auch eine ungefähre Wartezeit wird angegeben, in Washington meist nicht mehr als sieben Minuten.

Nach dem Drücken des Bestellknopfes wird dem Nutzer ein Wagen zugeteilt, Foto und Name des Fahrers werden eingeblendet, und ein symbolisch dargestelltes Wägelchen rollt auf der Karte los. Die Anfahrt lässt sich in Echtzeit auf dem Handyschirm verfolgen. Bald wird aus der virtuellen Annäherung Realität: Man blickt vom Display auf und sieht das Auto um die Ecke biegen. Der Fahrer begrüßt den neuen Gast durchs Fenster.

Bezahlen mit der Kreditkarte

Daran muss man sich gewöhnen. Ins Taxi steigt man als Fremder, bei Uber wissen Passagier und Fahrer dank der App, mit wem sie es zu tun haben. Die gemeinsam gefahrene Strecke wird abgespeichert und auf dem Fahrtenbeleg als blaue Linie auf einem Kartenausschnitt angegeben, mit Datum und Ein- und Aussteigezeit. Am Ende der Fahrt steigt man einfach aus, Uber belastet mit den Fahrtkosten die Kreditkarte, die man als Nutzer beim Installieren der App angeben musste. Trinkgeld ist inklusive, der Beleg wird via E-Mail zugestellt. Standort, Datum, Name, Kreditkarte, Mail: Wer auch immer im Namen der Terrorismusabwehr gerade Nutzerdaten horten darf: Solche Datensätze müssen ihn freuen.

Doch der Komfort scheint solche Bedenken aufzuwiegen. Ronald Maurice, ein Afroamerikaner im lila Hemd, fährt seinen Toyota Prius durch die Washingtoner Innenstadt und berichtet von den Fahrgästen dieses Morgens: "Gegen sieben habe ich mit einem Typen angefangen, der trank noch, als ich ankam. Dann ging es mit einem Geschäftsmann raus zum Flughafen, dann mit einer Jura-Studentin zum Examen, sie war nervös." Natürlich sei die Klientel eher jung und technikversessen, sagt Ronald, doch er werde auch in die älteren, wohlhabenden Vororte im Nordwesten der Stadt gerufen. Eine neue Kundschaft sind zudem Minderjährige, die von Eltern mit der App ausgestattet würden. "So können sie jederzeit und ohne Geld nach Hause kommen", sagt Ronald.