Suzuki Celerio im Test Gutes kann auch billig sein

Der Grundpreis des Suzuki Celerio liegt bei 9690 Euro.

(Foto: STG)

Was nichts kostet, ist nichts wert? Der nicht einmal 10 000 Euro teure Suzuki Celerio braucht nicht lange, um diese These zu widerlegen.

Von Thomas Harloff

Es gibt Modelle, die sind vollgestopft mit Technik. Modelle, für die ihre Käufer Unmengen an Geld ausgeben, nur um später festzustellen, dass sie die meisten Systeme überhaupt nicht nutzen. Irgendwann beschleicht einen das Gefühl, die ganzen Technologien dienen mehr dem Image des Herstellers als dem Fahrer des Produkts. Irgendwann hat man den Eindruck, dass es sich um eine Art milliardenschwerer Selbstbeweihräucherung des Autobauers handelt, für die sich Kunden nur allzu leicht instrumentalisieren lassen, indem sie das System durch überzogene Preise refinanzieren.

Doch am anderen Ende des Spektrums formiert sich ein immer größerer Widerstand gegen die Hightech-Aushängeschilder des modernen Automobilbaus. Da gibt es immer mehr Autos, die nicht mehr mitbringen als das, was man wirklich braucht. Autos der Unter 10 000-Euro-Klasse, die sich auch Normal- und Geringverdiener ohne ein ausgeklügeltes Finanzierungsmodell als Neuwagen leisten können. Autos wie den Dacia Sandero. Oder den Opel Karl. Oder, ebenfalls neu im Discount-Angebot, den Suzuki Celerio.

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Mit dem Charme des Bodenständigen

Während andere Autos selbständig lenken, bremsen und einparken können, sind die modernsten technischen Dreingaben des Suzuki ein Bluetooth-fähiges CD-Radio mit MP3-Funktion und USB-Anschluss, ABS und ESP, eine Berganfahrhilfe und ein Start-Stopp-System. Wo andere Autos bis ins Detail ausgefeilte Türinnenverkleidungen haben, hinter denen sich Unmengen an Kabeln und Stellmotoren befinden, hat der Celerio schmale Türpappen. Die sind natürlich aus Plastik gefertigt, die Bezeichnung ist aufgrund ihrer haptischen Anmutung dennoch gerechtfertigt. Ob die Ausdünstungen des Hartplastiks dafür sorgten, dass der Testwagen innen nach Gras - also dem Gras, das man rauchen kann - roch, ein Putzmittel auf Biobasis oder vielleicht doch der Autotester, der den Suzuki zuvor fuhr, konnte nicht rekonstruiert werden. Der Geruch ändert jedoch nichts daran, dass die so offen zur Schau gestellte Bescheidenheit den Charme des Bodenständigen versprüht, der all diesen technokratisch durchgestylten Hightech-Boliden fehlt.

Während der ersten gefahrenen Meter sammelt der Suzuki weitere Pluspunkte. Zum Beispiel durch die Sitze. Denen fehlt es zwar an Seitenhalt, aber sie sind bequem und lassen sich so weit verstellen, dass es verschmerzbar ist, dass das Lenkrad nur in der Höhe justiert werden kann. Auch das Platzangebot überzeugt. Vier Erwachsene passen locker in den 3,60-Meter-Zwerg, und falls sich einer von ihnen über zu wenig Raum zur körperlichen Entfaltung beklagt, liegt das eher an dessen Statur als am Auto. Das Gepäck reist ebenfalls kommod. Der Kofferraum schluckt je nachdem, ob die Rücksitzlehne aufrecht bleibt oder eingeklappt wird, 254 bis 1053 Liter.

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Der Motor knurrt, die Lautsprecher quäken

Und dann lässt sich das Auto auch noch kinderleicht bedienen. Kein ewiges Suchen in Bordcomputer-Menüs, kein stundenlanges Interpretieren kryptischer Symbole, keine Ablenkung beim Versuch, mit dem Zeigefinger viel zu kleine Touchscreen-Bedienfelder anzupeilen. Der Celerio hat große und klar bezeichnete Tasten und Regler, die gut erreichbar sind und von denen es eine überschaubare Anzahl gibt. Diese Klarheit hat viel Erfrischendes. Nur Radio und Sound enttäuschen. Die Musik quäkt so erbärmlich durch die maximal vier Lautsprecher, dass selbst der knurrende Dreizylindermotor auf Dauer die angenehmere akustische Untermalung ist.

Das Triebwerk arbeitet unter schwierigen Voraussetzungen. Auf die drei Brennräume verteilt sich ein Hubraum von nicht einmal einem Liter. Technische Lösungen zur Leistungssteigerung wie die Aufladung per Turbo oder Kompressor kennt der Celerio nur vom Hörensagen. So quetscht er gerade einmal 68 PS und maximal 93 Newtonmeter aus seinem winzigen Motörchen. Aber, und das passt zum Charakter dieses Autos, der Dreizylinder ist ein Kämpfer mit vorbildlicher Arbeitseinstellung, der das Optimum aus den bescheidenen Mitteln herausholt. Dabei helfen ihm das geringe Leergewicht von 890 Kilogramm und das präzise zu schaltende manuelle Fünfgang-Getriebe, dass die Ingenieure in den unteren Gängen kurz gestuft haben, damit der Japaner beim Beschleunigen ordentlich aus den Startblöcken kommt. Von null auf 100 km/h mag er 14 Sekunden brauchen, aber auf Innenstadttempo kommt der Celerio nicht langsamer als die anderen. Mit nur 1,60 Meter Breite und seiner ebenso leichtgängigen wie zielgenauen Lenkung zischt er nur so durch die City und erobert auch kleine Parklücken für sich.