Der Fahrrad-Dynamo, Symbol des festen Punktes, wird langsam sterben, das ist absehbar. Lieben tun wir ihn trotzdem, vor allem wegen seines ganz besonderen Sounds.

Natürlich ist er furchtbar unpraktisch, mehr noch, eine Quelle des Ärgers ist er. Wenn die Straße nass ist, kann es passieren, dass er einen anspritzt wie eine verrückt spielende Dusche. Auch verrutscht er zuweilen und nützt dann nicht mehr viel. Und man muss ohne Unterlass treten, um ihn in Gang zu halten; sobald man ein paar Tritte auslässt, wird es dunkel vor einem, und man kann an eine Hängerkupplung schlagen oder auf einem matschigen Apfel ausrutschen. Mit anderen Worten, das Ding, der Fahrraddynamo, ist bei weitem nicht vollkommen. Und dennoch hegen wir Sympathie für ihn, eine Zuneigung, wie sie nur wenigen - und immer alten, immer verbesserungswürdigen - Gegenständen zuteil wird. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht ist es das Geräusch, das er macht, dieses nähmaschinenähnliche Surren. Es ist leise und doch unüberhörbar. Ein Ausdruck ehrlicher Arbeit, die der Fahrer gerade leistet. In der Sekunde, in der er Druck auf die Pedale auszuüben beginnt, erhält er schon eine Bestätigung dafür, dass er es tut. Einen Beleg, der durch die Luft schwingt. Man kann ständig durch ihn hindurchradeln, durch den Ton, so lange, bis man nicht mehr kann.

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Kenner wissen, dass die Rede vom alten Seitenläufer-Dynamo ist. Mittlerweile existieren modernere Arten. Da ist zum Beispiel der Naben-Dynamo. Er wird nicht nass und nässt nicht, er hat einen viel höheren Wirkungsgrad, und er liefert immer Strom, selbst unter grellster Sonne. Nur wird der dann nicht abgenommen. Er bleibt in den Speichen oder sonstwo hängen; schwer ertretene, unter Schweiß erstrampelte, unnütz erzeugte Energie. Wozu könnte man sie verwenden? Um ein Radio in Betrieb zu nehmen? Oder ein . . . ein Nabenmobiltelefon? Nun, heute ist nicht der Tag, diese Fragen zu beantworten, heute soll der Dynamo als solcher besungen werden, denn er wird seine herausragende Stellung verlieren, am 1. Januar 2005: Gerade hat das Verkehrsministerium darüber informiert, dass dann nicht mehr die Dynamo-Pflicht gilt und auch ausschließlich batteriebetriebene Beleuchtungen zulässig sind. ¸¸Hauptsache, die Lampen leuchten", erklärte ein Behördensprecher.

Schon heute leuchtet es allüberall. Rote Lichter können angebracht werden unterm Sattel des Fahrrades und am Rücken des Fahrers, an seinen Ellbogen, Fersen, an seinem Hinterkopf und an seiner Stirn, wenn er es denn wünscht. Natürlich ist das ein Zeichen umfassender Mobilität. Selbst die Lichter wechseln jetzt ihre Standorte. Fahren nicht auch Autos durch die Landschaft, die ihre Lämpchen fürs Abbiegen auf einmal an den Seitenspiegeln haben? Ja. Der Dynamo, Symbol des festen Punktes, wird langsam sterben, das ist absehbar, aber da das Licht bleibt, heller und variabler sogar, wird einem bestimmt nichts fehlen. Nichts außer diesem leisen Ton.

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