Straßenverkehr und Mobilfunk Vernetzte Autos brauchen schnelleres Internet

Damit Autos mit der Infrastruktur kommunizieren können, werden schnellere Mobilfunkstandards benötigt.

(Foto: Daimler AG)
  • Um die Zahl der Verkehrsunfälle und -toten zu senken, wird die Vernetzung von Autos immer wichtiger.
  • Sie müssen schnell und stabil untereinander und mit der Infrastruktur kommunizieren.
  • Weil die aktuelle Mobilfunktechnik dafür zu langsam ist, müssen neue Standards möglichst schnell eingeführt werden - darunter das 5G-Netz.
Analyse von Joachim Becker

Achtung, auf der A9 kommen Ihnen Geisterfahrer entgegen. Nicht vereinzelt, sondern ständig. Die Autos sind zwar in der richtigen Richtung unterwegs und verhalten sich auch sonst völlig unauffällig. Aber sie werden freihändig gefahren und tauschen geheime Botschaften aus.

Was der Bundesverkehrsminister etwas pompös "Digitales Testfeld Autobahn" nennt, ist eine Grundlage für den ersten größeren Praxisversuch mit hoch automatisierten Fahrzeugen: Die Geisterfahrer im Dienst des Fortschritts müssen miteinander reden, um Warnmeldungen auszutauschen. Ganz einfach deshalb, weil ihr Universum sonst nach 200 Metern zu Ende wäre. Nur mit rasend schnellen Ad-hoc-Netzwerken können sie weiter schauen, als ihre Sensoren reichen. Doch der Wandel von der isolierten Blechbüchse zum interaktiven Schwarmwesen ist schwierig.

In Las Vegas gehören solche "talking cars" zum ganz normalen Straßenbild - zumindest während der Consumer Electronics Show International (CES). Kaum jemand schaut noch den bunt bemalten Testfahrzeugen hinterher, die sich mit allem und jedem vernetzen können. Ein Versuchsträger des Zulieferers Delphi spricht nicht nur mit den Autos, die beim Linksabbiegen von anderen Fahrzeugen verdeckt werden. Auch unaufmerksame Fußgänger können an einem speziellen Funkchip im Handy erkannt werden.

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2020 sollen alle Neuwagen miteinander kommunizieren

Dass die Umfeld-Kommunikation mit Ampeln und Wanderbaustellen klappt, wundert da schon niemanden mehr. In Zukunft kann auch vor einem Stauende, Glatteis, Geisterfahrern und vor Unfällen punktgenau gewarnt werden. Wie im Fußball werden die Nachrichten über das ganze Spielfeld hin und her gepasst. Ziel der rasend schnellen Meldeketten ist nicht nur das gemütliche Mitschwimmen von Ampel zu Ampel, sondern vor allem die Verkehrssicherheit.

Die Vereinten Nationen haben sich im September letzten Jahres das Ziel gesetzt, die Zahl der weltweiten Verkehrsopfer bis 2020 zu halbieren. Dieses Ziel ist deutlich anspruchsvoller als alle bisherigen internationalen Vorgaben. Nach wie vor fallen aber 10,6 von 100 000 Amerikanern Verkehrsunfällen zum Opfer. Dieser Prozentsatz ist mehr als doppelt so hoch als in Deutschland. Ohne konsequente Vernetzung der Verkehrsteilnehmer wird es nur wenig Besserung geben. Das hat auch die US-Regierung erkannt. Die nationale Behörde für Verkehrssicherheit (NHTSA) steht kurz vor dem Abschluss einer entsprechenden Gesetzesinitiative: Im nächsten Jahr soll das Repräsentantenhaus beschließen, dass alle Neuwagen von 2020 an miteinander sprechen müssen.