Die FDP ist keine, die zu solchen Dingen schwiege, und so klopfte denn ihre Bundestagsfraktion bei der Bundesregierung auf den Busch: Was denn das koste? Wie so oft, sah die Regierung sich auch hier zu "validen Aussagen" nicht in der Lage. Sie eierte zwischen 19,6 und 102,26 Milliarden Euro herum, um dann bei einem volkswirtschaftlichen Schaden von 10 bis 12 Milliarden Euro einzulochen.

Anzeige

Wie das berechnet wird und wer - kein Schaden ohne Nutzen - davon profitiert, sei dahingestellt. Weitaus spannender ist die Frage, an wen die geschädigte Volkswirtschaft sich wegen allfälliger Regressansprüche wenden müsste. Rechnet man die Baustellen und Unfälle heraus, bleiben als Stauverursacher immer noch jede Menge Leute, die bremsen und so nach dem Nagel-Schreckenberg-Modell den Stau auslösen, wobei freilich nicht ganz klar ist, ob der erste Bremser der Missetäter ist oder ob man sich nicht eher an seinen Hintermann halten sollte. Schließlich ist er es, der unverhältnismäßig reagiert und damit das Ganze erst ins Rollen bringt, also zum Stehen. Die Überlegung ist müßig, weil wir an dieser Stelle wieder einmal vor einem Mysterium stehen: Seit es Autobahnen und Staus gibt, ist es noch keinem gelungen, die vordersten Bremser zu sehen. Man kennt die Schlange, nicht jedoch ihren Kopf.

Michael Schreckenberg ist in der Stauforschung noch ein gutes Stück weitergekommen. Seinen Erhebungen zufolge handeln Autofahrer albern, die sich bei Staus in die Nebenstraßen ergießen - da bleiben sie erst recht stecken. Am zügigsten komme voran, wer auf Stauwarnungen pfeife, ja voll Rohr auf Staus zufahre. Schreckenberg nennt diesen Typus den "Stoiker". Beim nächsten Stau wollen wir alle darauf achten, ob diese Autofahrer über das verfügen, was den Stoiker vor anderen auszeichnet: Gelassenheit.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Man kennt die Schlange, aber nicht ihren Kopf
  2. Sie lesen jetzt Man kennt die Schlange, aber nicht ihren Kopf
Leser empfehlen