Das Streiflicht

Nichts scheint so schwer, wie der Ursache eines Staus auf den Grund zu gehen. Verkehrsforscher haben nur einen Rat parat: zügig auf den Stau zufahren.

Nur die wenigsten wissen, dass sie, wenn sie auf der Autobahn dahinfahren, auch wissenschaftlich arbeiten. Sie sind winzige Rädchen (metaphorisch gesprochen, das hat nichts mit der Reifengröße ihres Hobels zu tun) einer Maschine namens Nagel-Schreckenberg-Modell. Das ist keine richtige Maschine, sondern eine von den Festkörperphysikern Kai Nagel und Michael Schreckenberg vor Jahr und Tag ersonnene Computersimulation.

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Die Festkörper, die sich darin tummeln, sind die Autos, und da das Modell den Zusammenhang zwischen Dichte und Fluss des Straßenverkehrs mathematisch darstellt, ist es auch in der Lage, den Stau zu erklären. Weil er, wie alle bezeugen können, aus dem Nichts kommt, hat man ihn lange für etwas Schicksalhaftes, Numinoses gehalten. Seit Nagel/Schreckenberg weiß man's besser: Staus rühren daher, dass ganz vorn einer bremst, der hinter ihm ebenfalls, nur schärfer, und so fort, bis sie im Radio sagen, dass von Würzburg-Randersacker bis Würzburg-Heidingsfeld rein gar nichts mehr geht.

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