Solarradweg in den Niederlanden Lass die Sonne in den Beton

Am 24. Oktober soll der erste Solarradweg in den Niederlanden fertiggestellt werden.

(Foto: SolarRoad)

Ein Unternehmen in den Niederlanden bietet einen neuen Lösungsansatz für den steigenden Energiebedarf: Straßen mit Solarzellen. Ein erster Fahrradweg wird bereits gebaut und hat einen entscheidenden Vorteil: Er finanziert sich auf lange Sicht selbst.

Von Felix Reek

Wenn es um die Straße der Zukunft geht, haben offenbar die Niederländer zurzeit die besten Ideen. Nachdem vor einigen Wochen die Designfirma Studio Roosegaarde eine in der Nacht selbstleuchtende Straße vorstellte, baut die Gemeinde Krommenie jetzt die erste Solarstraße der Welt. Der 70 Meter lange Fahrradweg soll bis zum 24. Oktober fertiggestellt werden, bis 2016 folgen weitere 30 Meter. Der produzierte Strom könne bis zu drei Haushalte mit elektrischer Energie versorgen, so die Gemeinde.

Seit 2009 arbeitet das Unternehmen SolaRoad an dem Konzept, bei dem in zweieinhalb mal dreieinhalb Meter große Betonplatten Solarzellen aus Silizium eingelassen sind. Darüber befindet sich eine Schicht Sicherheitsglas, das besonders schmutzabweisend ist. Selbst Regen, Schnee, Eis und den hohen Belastungen durch LKW sollen die Solarplatten standhalten. Im Falle eines Bruchs splittert das Material nicht, sondern zerfällt in kleine Stücke wie eine Autofrontscheibe.

30 Prozent weniger Strom als Solardächer

Im Gegensatz zu Solardächern lassen sich die Straßenelemente aber nicht im rechten Winkel zur Sonne aufstellen. Dadurch sind sie nicht so effizient: "Wir rechnen damit, dass unsere Module auf der Straße 30 Prozent weniger Strom erzeugen als auf dem Dach", erklärte Projektleiter Sten de Wit der Wirtschaftswoche. Gleichzeitig entfallen aufwändige Montagesysteme. Die vorgefertigten Platten können von Bauarbeitern einfach Stück für Stück verlegt werden.

In eine Hälfte der Platten sind Solarzellen eingelassen, die andere besteht aus Beton.

Die Straßen von SolaRoad sind Verkehrsweg und Stromerzeugung in einem. Selbst wenn alle Häuserdächer in den Niederlanden mit Solarzellen ausgestattet wären, könnten sie laut SolaRoad nur etwa ein Viertel des Strombedarfs abdecken. Das Straßennetz bietet wesentlich mehr schon vorhandene Fläche. Und im Gegensatz zu den üblichen Solaranlagen müssen dafür keine Felder geopfert werden.

Fahrbahnen, die Elektroautos aufladen

Der Radweg in Krommenie ist ein erster Test, danach planen die Niederländer Straßen, auf denen Autos fahren können. Ein ähnliches Projekt verfolgt das Ehepaar Scott und Julie Brusaw, die in den vergangenen Monaten fast zwei Millionen US-Dollar per Crowdfunding gesammelt haben. Auch ihre "Solar Roadways" sollen die Umgebung mit Strom versorgen. In einem ersten Schritt pflasterten die beiden US-Amerikaner einen Parkplatz mit Solarzellen. Mit dem gesammelten Geld wollen sie ihr System zur Serienreife bringen. Das soll nicht nur Elektroautos mit Strom versorgen, sondern auch in der Lage sein, Fahrbahn und Gehsteige zu erhellen. Viel Aufmerksamkeit haben sie bereits geweckt, selbst Präsident Barack Obama folgt ihnen auf Twitter.

Einen Schritt weiter ist man in den Niederlanden. Der 70 Meter lange Fahrradweg soll wichtige Erkenntnisse für den größeren Einsatz mit Autos und LKW liefern. Zum Beispiel wie sich der Schatten der Radfahrer auf der Straße auf die Stromversorgung durch die Solarzellen auswirkt.

Einen Vorteil gegenüber normalen Verkehrswegen hat der Solarradweg aber schon jetzt: Laut einer Studie soll er innerhalb von 20 Jahren seine Bau- und Produktionskosten von drei Millionen Euro wieder eingespielt haben. Das unterscheidet die Solarstraße von anderen Fahrbahnen, die den Steuerzahler für lange Zeit Geld kosten. Zuerst beim Bau, und dann noch einmal durch Mautgebühren.