Im März startet Skoda in die gehobene Mittelklasse. Die große Limousine auf Basis des VW Passat heißt Superb, was bekanntlich vorzüglich oder prächtig bedeutet.
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Und dieser Name ist gut gewählt, wie sich bei ersten Testfahrten herausstellte. (© Foto: Skoda)
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Ruhmreiche Historie
Skoda, seit 1991 unter dem Dach des VW-Konzerns zu Hause, hat eine große, wechselvolle Geschichte. 1906 wurde das erste Auto gebaut, und die Fahrzeuge aus Böhmen hatten schnell einen guten Ruf.
In den 30er Jahren zählten die großen Skoda-Modelle zum Besten, was man für Geld kaufen konnte. Der Superb, eine elegante Limousine, wurde tatsächlich in einem Atemzug mit Rolls-Royce genannt.
Dann kam der Krieg, dann der Sozialismus mit seiner Hinwendung zum "Praktischen". Kaum einer kennt sie heutzutage noch, die kleinen Skoda mit Heckmotor, die in den 60ern und 70ern auch bei uns verkauft wurden. Und wer sie kannte, weint ihnen wohl kaum eine Träne nach.
Basis ist der China-Passat mit langem Radstand
Doch mit VW-Hilfe mauserte sich Skoda. Der Felicia, der Octavia, der Fabia: Mit jedem neuen Modell wurde Skoda besser, und am 23. März steht nun das Topmodell der Baureihe bei den Händlern.
Der Superb basiert auf dem VW Passat mit langem Radstand, wie er derzeit nur in China produziert und verkauft wird. Die Achsen liegen zehn Zentimeter weiter auseinander als beim normalen Passat, und diese zehn Zentimeter kommen gänzlich dem Innenraum zugute.
Genauer gesagt: den Passagieren auf der Rückbank. Die dürfen ihre Beine daher besonders weit ausstrecken, ohne dass der Vordermann dem Armaturenbrett zu nahe rücken muss. Eine Chauffeurs-Limousine ist der Superb damit gewissermaßen, und als solche wird sie sicher in Tschechien auch eingesetzt werden.
Wer sich in Deutschland fahren lässt, wählt normalerweise keinen Skoda, doch auch Normalnutzern kommt der viele Raum ja nicht ungelegen, zumal der Superb mit netten Details aufwartet, die eine Reise wirklich angenehmer machen können.
Findige Details
So lässt sich auf Wunsch das Mittelteil der Beifahrersitzlehne nach hinten ausklappen und als Auflage für Unterschenkel und müde Füße nutzen. Dass sich die hinteren Sitze elektrisch beheizen lassen, ist da nur eine (ebenso aufpreispflichtige) Selbstverständlichkeit wie andere nette Gimmicks: In den zwei höheren Ausstattungsversionen Comfort und Elégance etwa ist in der linken Fondtür ein Fach für einen Regenschirm installiert. Das Tropfwasser wird über einen eigenen Kanal ins Freie geleitet. Hat was.
Schön auch die Leuchten in den Außenspiegeln: Kommt man des Nachts und entriegelt das Auto per Fernbedienung, leuchten sie den Einstiegsbereich aus und warnen so vor Pfützen oder noch größeren Unannehmlichkeiten.
Praktische Lösungen im kaum variablen Gepäckraum
Praktisch ist auch ein System zur Ordnung des Gepäcks im 462 Liter großen Kofferraum: Auf Knopfdruck fährt eine Klappkiste aus, in der sich Transportgut verstauen und die sich anschließend wieder in den Tiefen des Raumes versenken lässt. Einkaufstaschen kann man rutschsicher an Klapphaken aufhängen, damit nicht alle Dosen, Tüten und Fläschchen nach der ersten scharfen Kurve herumkullern.
Sonderlich variabel ist der Kofferraum selbst aber nicht. Eine Durchreiche in der Mittelarmlehne ist zwar serienmäßig, doch klappbare Rücksitzlehnen gibt es nicht. Den Entwicklern war eine steife Karosserie besonders wichtig, und daher nutzten sie den Effekt einer festen Wand zwischen Koffer- und Innenraum konsequent aus.
Verwindungssteif, exakt und komfortabel
Im Fahrbetrieb macht sich das bezahlt. Trotz des langen Radstands ist der Superb ein sehr verwindungssteifes Auto. Selbst auf schlechten Straßen zittert die 4,80 Meter lange Karosserie nicht.
Zudem lässt sich der Fronttriebler sehr exakt lenken, und mit seinen Komforteigenschaften darf man ebenso zufrieden sein: Das Fahrwerk ist relativ weich abgestimmt und bügelt mit seinem Schluckvermögen auch größere Unebenheiten locker aus.
Mit den aufpreispflichtigen, der Optik sehr hilfreichen 17-Zoll-Rädern geht zwar ein Stück des guten Abrollkomforts verloren, doch unziemlich hart ist der Superb selbst dann nicht.
Umfängliches Motorenangebot
An den Start geht der große Skoda, dem seine Nähe zum Passat trotz des geänderten Bugs und der Skoda-typischen Rückleuchten aus allen Knopflöchern quillt, mit fünf Motoren: Diesel-Freunde können zwischen einem Vierzylinder-TDI mit 130 PS / 96 kW aus 1,9 Litern Hubraum und einem 155-PS-(114-kW-)V6 mit 2,5 Litern Hubraum wählen.
Die Benzinmotoren-Palette reicht vom Zweiliter mit 115 PS / 85 kW über einen 1,8-Liter-Turbo mit 150 PS / 110 kW bis zum 2,8-Liter-V6 mit 193 PS / 142 kW. Wir wählten für erste Testfahrten den 1.9 TDI und den 1.8 T, die nach Skoda-Meinung die meist gefragten Modelle sein werden.
Der Turbodiesel geht fast schon bissig ans Werk
Beim Turbodiesel gefällt der fast schon bissige Antritt aus niedrigsten Drehzahlen, der mit relativ bescheidenen Vibrationen und einem insgesamt gut gedämpften Laufgeräusch einhergeht.
Der im Konzern nicht unbekannte Turbo-Benzin-Motor läuft sehr kultiviert ohne störende Geräusche, dreht willig hoch und hat jenseits der 2.000 Touren stets genügend Kraft, um das rund 1,5 Tonnen schwere Auto souverän in Schwung zu halten.
Viele Kombinationsmöglichkeiten
Jeder Motor ist mit einer der drei Ausstattungsvarianten (Classic, Comfort, Elégance) kombinierbar, wobei Classic für ein etwas tristes, einfarbiges Armaturenbrett und ein eingeschränktes Zubehörangebot steht.
Welches Paket genau was bietet, ist zur Zeit noch nicht entschieden. Man darf aber wohl davon ausgehen, dass schon die Basis ESP, Klimaanlage (auch für das Handschuhfach und die Ablage in der Mittelkonsole), vier Airbags, elektrisch einstellbare Spiegel, vier elektrische Fensterheber, höhenverstellbare Vordersitze mit Lendenwirbelstütze und Radiovorbereitung mit acht Lautsprechern bietet.
Ob Kopfairbags serienmäßig geliefert werden, ist noch ebenso unklar wie die meisten Preise.
Immerhin: Drei Preise werden heute schon genannt, wobei Vertriebs- und Marketingvorstand Detlef Schmidt betont, dass selbst die sich noch ein wenig verändern können. Das Zweiliter-Modell Classic soll circa 22.390 Euro kosten, der 1.8 T Elégance 30.300 Euro und der 2.8 V6 Comfort 29.100 Euro. Damit zählt man in der Mittelklasse nicht zu den Billigheimern. Aber unter dem Strich, denkt Schmidt, ist der Superb das passende Angebot für alle, "die die Kaufentscheidung mit dem Kopf fällen".
Quelle: autocert.de