Sicherheit im Auto Alkoholtester werden auf Frankreichs Straßen Pflicht

Hört sich skurril an, soll aber ständig an das Risiko Alkohol erinnern: Von Sonntag an müssen Frankreich-Urlauber im Auto einen Alkoholtester dabeihaben. Sonst wird in Zukunft ein Bußgeld fällig.

Warndreieck, Warnweste und Verbandskasten sind in Frankreich nicht mehr genug. Vom 1. Juli an sind Autofahrer verpflichtet, einen Alkoholtester dabeizuhaben. Auch Touristen, die in der Provence oder an der Côte d'Azur Urlaub machen, müssen eine kleine Plastiktüte mit Blasröhrchen bereithalten.

Die elektronischen Testgeräte sind den Einmal-Röhrchen in Sachen Genauigkeit weit überlegen. Allerdings ist ihre Anschaffung mit etwa 100 Euro auch deutlich kostspieliger.

(Foto: AFP)

Rund 1,50 Euro kostet ein Einmaltest, der in Apotheken und Supermärkten sowie an Tankstellen verkauft wird. Für ausgefeiltere elektronische Geräte müssen gut 100 Euro bezahlt werden. Die französische Polizei erkennt nur Tests an, die die Buchstaben "NF" für die französische Norm tragen. Nach Angaben des ADAC gilt allerdings eine Übergangsfrist bis Ende Oktober. Erst danach verhänge die Polizei bei Verstößen eine Geldbuße von elf Euro.

"Der Test im Handschuhfach erinnert ständig an das Risiko Alkohol und trägt zur Sensibilisierung der Autofahrer bei", sagt der Vorsitzende des französischen L'Automobile Club, Didier Bollecker. Allerdings will die Regierung, dass der Test nicht nur im Handschuhfach liegt, sondern auch benutzt wird. "Wenn man mit Freunden weggeht, sollte es zur Normalität werden, sich hinterher zu testen", sagt der frühere Regierungsbeauftragte für Verkehrssicherheit, Jean-Luc Nevache. Der Griff zum Röhrchen solle genauso selbstverständlich werden wie beispielsweise der Griff zum Kondom.

Andere halten den Test für überflüssig, da sie sich nach eigenen Angaben nach zwei, drei Gläsern Wein ohnehin nicht mehr ans Steuer setzen. Auch die Vorsitzende der Liga gegen Gewalt im Straßenverkehr, Chantal Perrichon, lehnt die Alkotests als "nutzlos" ab. Bei vier Fünfteln der tödlichen Unfälle liege der Alkoholspiegel über 1,2 Gramm pro Liter Blut. Die Fahrer seien damit derart betrunken, dass sie ohnehin keine Tests mehr machten. "Die Einzigen, die von der Maßnahme profitieren, sind die Hersteller", kritisierte Perrichon in der Zeitung Journal du Dimanche.

Auch der ADAC ist nicht überzeugt von der Maßnahme: Die Genauigkeit der Einmal-Röhrchen lasse zu wünschen übrig, sagt eine Sprecherin, nachdem der Automobilklub die Produkte getestet hat. Auch in Frankreich rechnen Anwälte mit juristischen Streitigkeiten rund um den wenig genauen Einmaltest. Sogar Staatschef François Hollande meldete noch als Präsidentschaftskandidat im April Zweifel an den Röhrchen an, "die Autofahrer in die Irre zu führen drohen". Genauer als die Einmaltests sind laut ADAC die elektronischen Geräte.

Alkohol ist die Ursache von fast einem Drittel aller tödlichen Autounfälle in Frankreich. Damit liegt das Nachbarland deutlich vor Deutschland, wo etwa jeder zehnte tödliche Unfall auf Alkohol zurückzuführen ist. Deshalb ist eine entsprechende Verordnung nach Ansicht des ADAC in Deutschland nicht nötig. "Hier besteht dafür kein Bedarf", betont die Sprecherin. "Die Verkehrsteilnehmer können in Eigenverantwortung einschätzen, ob sie fahren können."