Selbstfahrende Autos Die Angst der Autobauer vor dem Google-Ei

Ohne Fahrer, aber mit guten Zukunftschancen: Das eiförmige Google-Auto im Straßenverkehr.

(Foto: dpa)
  • Firmen wie Apple und Google machen rasche Fortschritte bei der Entwicklung selbstfahrender Autos.
  • Die etablierten Autobauer stehen unter Druck.
  • Experten rechnen mit einem gravierenden Wandel der Branche.
Von Markus Balser und Thomas Fromm, Berlin

Die Revolution fährt lautlos, aber sie rückt näher. Täglich durchkurvt sie die Straßen von Mountain View, dem Hauptsitz von Google. Gelenkt von einer Maschine, gesteuert von Algorithmen, gebremst von Computerchips: Mehr als 20 Roboter-Automobile betreibt Google in seiner Versuchsflotte. Die Fahrzeuge haben bis heute mehr als zwei Millionen Kilometer im automatischen Betrieb zurückgelegt.

Vor ein paar Wochen aber hat es gekracht. Bei Tempo 30 kollidierte ein Bus mit einem Google-Lexus - das autonome Auto war davon ausgegangen, dass der Bus anhält. Auto gegen Bus, der Mensch nur noch als Zuschauer - ist das die Zukunft? Experten sind sich ziemlich sicher, dass die selbstfahrenden Autos nicht zum letzten Mal eine Kollision verursacht haben.

Googles selbstfahrendes Auto rammt Linienbus

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Google Car in einen Unfall verwickelt ist. Doch dieser Crash ist eine Premiere, weil die Technik hakt. mehr ...

Heißen die neuen Autobauer Apple und Google?

Vor allem in der deutschen Autobranche fürchtet man den Frontalaufprall mit der neuen Konkurrenz aus dem Silicon Valley. Und zwar anders als neulich in den USA: In den Chefetagen von Daimler, VW oder BMW wächst die Sorge, dass Konzerne wie Google oder Apple etablierten Herstellern mit Innovationen das Geschäft streitig machen - auch wenn man sich nach außen wie immer selbstbewusst gibt.

Nun aber gehen der Branchenverband VDA und sein Chef Matthias Wissmann in die Offensive. Wissmann sagt im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung einen gravierenden Wandel der Branche voraus: "Die reine Fahrzeugproduktion allein ist nicht mehr das, was die Unternehmen der Zukunft ausmachen wird." Es geht um Tausende Arbeitsplätze bei Herstellern und ihren Zulieferern, deshalb ist die Frage wichtig: Heißen die Autobauer von morgen nicht mehr BMW oder Daimler, sondern Apple und Google? "Neue Wettbewerber kann man nie ausschließen", sagt Deutschlands einflussreichster Autolobbyist. Allerdings hätten die Hersteller nicht nur eine lange Geschichte - sondern auch einen "sehr ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb".

Schon 2020 könnte die Science Fiction Wirklichkeit werden

In der VDA-Zentrale in Berlin-Mitte sind sich die Vordenker der Branche einig: Intelligente Autos sind kein ferner Hype mehr. "Sie werden kommen. Und zwar schon bald", sagt Wissmann voraus. "Ich bin mir sicher: Schon 2020 werden wir in Deutschland die ersten Parkhäuser haben, in denen sich Autos ihre Parkplätze selbst suchen und Kunden per Smartphone einchecken können."

Mit Sensoren hochgerüstete Parkhäuser - noch ist das Science Fiction. Aber an dem Zusammenspiel von Auto, Smartphone und Parkbucht wird in den Konzernen längst gefeilt. Klaus Fröhlich ist Entwicklungsvorstand bei BMW, einem Hersteller, der ständig auf der Suche ist nach neuen Apps. Seit einiger Zeit arbeiten die Münchener mit dem kalifornischen Park-App-Anbieter Park-Now zusammen, und Fröhlich sagt: "Wir wollen der größte Marktplatz für Parkplätze werden."

Was passiert, wenn Maschinen klüger werden als Menschen

Skype-Gründer Jaan Tallinn will künstliche Intelligenzen so programmieren, dass sie nicht zu einer Gefahr für die Menschheit werden - denn er hält die Sorgen für begründet. Von Andrian Kreye mehr ...