Von Klaus Bartels

Der Dragonfly 35 aus Dänemark segelt Einrumpfyachten spielend davon. Noch bedienen Trimarane eine Nische - doch die wächst ständig.

Schneller segeln als der Wind weht: Bei 15 Knoten Wind ist mit dieser Yacht eine Segelgeschwindigkeit von etwas mehr als 16 Knoten möglich. Der Wind scheint dem neuen, 10,68 Meter langen Dragonfly 35 Flügel zu verleihen. Was Eigner herkömmlicher Yachten in Erstaunen versetzt, ist für Segler des neuesten Trimarans der dänischen Werft Quorning Boats Normalität. Dabei versteht Werftchef Jens Quorning seine dreibeinigen Yachten als Cruiser. Das bedeutet: unkompliziertes Segeln und die Möglichkeit unter Deck gemütlich zu wohnen.

Dragonfly

Maßarbeit: Der Dragonfly 35 ist 10,68 Meter lang und 8,20 Meter breit. Im Hafen lassen sich die beiden Stützrümpfe komplett hochklappen. (© Foto: SZ)

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Dragonfly-Cruiser-Crews sind allerdings immer sehr viel schneller am Ziel als Segler mit Einrumpfyachten. Das große Geschwindigkeitspotential der Trimarane hatte Werftgründer Borge Quorning bereits Ende der fünfziger Jahre begeistert. Nachdem er als junger Bootsbauer einmal zu einem Törn mit einem Trimaran eingeladen war und der Dreibeiner selbst die damals als sehr schnell geltenden Starboote überholte, war er von einer Art Trimaran-Virus infiziert. 1967 gründete er die Quorning Werft im dänischen Skaerbaek und baute nur noch die schnelleren Segelboote.

Dragonflys sind unsinkbar

Anfänglich war das Interesse der Segler eher gering. Das hatte auch etwas mit der großen Breite der Trimarane zu tun. Je breiter eine Yacht ist, um so teurer ist der Liegeplatz im Hafen. Trimarane wiederum müssen sehr breit sein, um genügend Stabilität zu haben. Im Gegensatz zu Kielyachten verhindert bei ihnen kein schweres Kielgewicht nach dem Prinzip des Stehaufmännchens ein Umkippen. So misst beispielsweise der neue 35er stattliche 8,20 Meter in der Breite. Die Gefahr zu kentern ist dabei nur noch eine theoretische Größe. Alle Dragonflys darüber hinaus sind unsinkbar.

Doch selbst spektakuläre Siege wie 1967 bei der häufig sehr windreichen Regatta rund um Großbritannien, bei der Jens und sein Bruder Eric jeder mit einem Tri das Feld der großen Rennyachten weit hinter sich ließen und die Plätze eins und zwei belegten, führten nicht zum Durchbruch. Der kam erst, als die Dragonflys 1989 mit einem Mechanismus versehen wurden, mit dessen Hilfe die beiden Schwimmer im Hafen angeklappt werden können. Das patentierte Swing-Wing-System ist einfach zu handhaben. Man kurbelt die Stützrümpfe mit Hilfe einer Winsch an den großen Mittelrumpf. Das Boot schrumpft damit auf eine hafenfreundliche Breite von 3,85 Meter.

Nische gefunden

"Wir bedienen eine Nische bei den Seglern", weiß Werftchef Jens Quorning. Allerdings vergrößert sie sich von Jahr zu Jahr. Die einzige Serienwerft für Trimarane in Europa hat gerade ihren 530. Dragonfly ausgeliefert, besonders viele segeln in Deutschland. Die 30 Bootsbauer von Quorning fertigen rund 25 Dreirümpfer zwischen acht und zwölf Meter Länge im Jahr. Wobei der Dragonfly 1200 Ocean Cruiser mit einer Wasserlinie von 11,20 Meter, einer Verdrängung von nur fünf Tonnen und einer Segelfläche am Wind von 95 Quadratmeter das Flaggschiff der Werft ist. Wer jetzt beispielsweise den neuen, 3,9 Tonnen verdrängenden 35er bestellt, muss bis 2009 warten.

Der 35er Swing Wing, der erst Anfang des Jahres vorgestellt wurde, entwickelt sich zum Bestseller für Quorning. In wenigen Monaten wurden bereits 25 verkauft. Und das zu einem Preis von rund 300000 Euro, der weit über vergleichbare Einrumpfyachten liegt. Schnell segeln hat eben seinen hohen Preis. Der Werftchef begründet ihn mit dem großen Aufwand, der für den Bau notwendig ist, und mit der hohen Qualität des gesamten Zubehörs.

Die Kräfte, die bei der Umsetzung des Winddrucks in Geschwindigkeit entstehen, sind beim Dragonfly besonders groß. Trotz der 85 Quadratmeter großen Segelfläche ist auch bei mehr Wind so gut wie keine Krängung festzustellen. Böen, die Kielyachten oder Jollen auf Kursen hoch am Wind in die Schräglage bringen, sorgen beim Dragonfly für noch mehr Vortrieb. Nach Angaben von Quorning ist die 35er mehr als 20Knoten schnell, das sind fast 38 Kilometer pro Stunde - für eine Fahrtenyacht sensationell.

Kaum Platz in der Kajüte

Fast alle Eigner zeigen gern den anderen Crews das Heck ihrer Yacht. Warum ist dann der Trimaran aus Dänemark immer noch ein Nischenprodukt? Das weiß jeder, der einen Dragonfly unter Deck gesehen hat. Es gibt im Vergleich mit gleichgroßen Einrumpfyachten verhältnismäßig wenig Platz in der Kajüte. So bietet der bewohnbare 10,68 Meter lange Hauptrumpf des Trimarans nur den Lebensraum einer Neunmeteryacht. Der Edelholzausbau mit je einer Doppelkoje im Vor- und im Achterschiff mit Salon, kleiner Küche und Nasszelle ist dabei besonders aufwendig gefertigt.

Die Werft hat darüber hinaus durch eine geschickte Raumaufteilung ein Optimum an Platz geschaffen. So können sogar sechs Personen gemütlich rund um den Salontisch sitzen. Im Gegensatz zu einem modernen, gleichgroßen Einrumpf-Cruiser wirkt der Dragonfly unter Deck wie ein - allerdings luxuriöses - Sportgerät. Schnelles Segeln hat eben auch in dieser Beziehung seinen Preis.

Mehr Infos: www.dragonfly.dk

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(SZ vom 28./29. April 2007)