Seat Ibiza Spanier mit deutschen Papieren

In Deutschland bietet Seat ein umfangreiches und kostenfreies Garantiepaket für alle Modellreihen

(SZ vom 15.04.2000) Der im vergangenen Jahr in aller Stille renovierte Seat Ibiza hat einen zum neuen Erscheinungsbild passenden 1,4-Liter-Motor bekommen: Der 55 kW (75 PS) starke 16-Ventiler erfüllt die D4-Abgasnorm - ein Vermerk in den Fahrzeugpapieren, der deutsche Käufer erfreut, weil er Kfz-Steuer sparen hilft. Der neue Antrieb kann aber noch mehr; die elektronische Motorsteuerung nimmt nach dem Kaltstart etwa kein Vollgas an, um Schäden am Aggregat und eine Verschlechterung der Abgaswerte zu verhindern.

Mit dem rund 1100 Kilogramm schweren und 3,88 Meter langen Ibiza hat der Motor, der aus dem VW-Baukasten stammt und auch im Polo anzutreffen ist, wenig Mühe. Wenn man ihn fordert, spurtet er munter brummend los und hat nach 12,5 Sekunden Tempo 100 erreicht. Doch selbst wenn der Fahrer die niedrigen den hohen Drehzahlen vorzieht, kommt er zügig voran: Das maximale Drehmoment, das bei 3300/min bereitsteht, beträgt 126 Newtonmeter. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 170 km/h beziffert, und der Verbrauch im Test nach Norm, der auf Prüfständen ermittelt wird, liegt bei 6,4 Liter je 100 Kilometer.

Wird der dreitürige Ibiza mit dem neuen Motor zum Basispreis von 24 990 Mark erworben, ist er serienmäßig mit Multifunktionsdisplay, ABS, vier Airbags, elektrischen Fensterhebern in den vorderen Türen, Servolenkung, Zentralverriegelung, einem höhenverstellbaren Fahrersitz, asymmetrisch geteilten, komplett vorklappbaren Rücksitzen, Mittelkonsole und Audioanlage ausgestattet. Ordert der Kunde die 26 490 Mark teure Ausführung, werden unter anderem auch noch elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, ausstellbare Seitenscheiben im Dreitürer und ein höherwertiges Radio mitgeliefert. Die Fünftürer kosten jeweils 1000 Mark mehr, und eine sich selbst regelnde Klimaanlage kann für 2100 Mark bestellt werden.

Der Innenraum ist so gefällig und praktisch eingerichtet, wie man das von Produkten aus dem VW-Konzern kennt, entbehren also nicht eines gewissen Pfiffs. Das Lenkrad, in dem Seat-Verantwortliche passend zur spanischen Herkunft einen stilisierten Stierkopf zu erkennen glauben, ist leider nur höhenverstellbar, liegt aber gut in der Hand. Irritieren kann den Fahrer nur das Geräusch, mit dem der Blinker signalisiert, dass er am Arbeiten ist: Es erinnert an Kastagnettengeklapper, hervorgebracht von einem übermüdeten Tänzer.

Für Seat ist der Ibiza eine Säule des Geschäfts; seit 1984 ist er im Angebot. Acht Motoren stehen derzeit zur Wahl, wobei die Verantwortlichen bei der Vorstellung des jüngsten andeuteten, dass das möglicherweise ein paar zu viel sind, weshalb man Ende 2000 die Palette vielleicht bereinigen werde. Dass der Ibiza im vergangenen Jahr mit gut 16 500 Neuzulassungen hinter Arosa und Toledo zurückgefallen ist, führt Jürgen Voss, der Sprecher der Geschäftsführung, darauf zurück, dass die zweite Generation nach sechsjähriger Laufzeit allmählich einer Erneuerung bedurfte. Nach erfolgter Aktualisierung will Seat wieder Gas geben und die Zulassungszahlen kräftig steigern - quer durch alle Modellreihen.

Dafür hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Der Ibiza wird, wie seine Stallgefährten, künftig mit kostenfreiem XXL-Garantiepaket ausgeliefert. Es umfasst unter anderem eine lebenslange Mobilitätsgarantie, einen Hol- und Bringservice, einen Lagerservice für gerade nicht benötigte Reifen oder Hilfe bei der Routenplanung und sogar beim Kauf von Theater-Tickets. Wert legt Seat Deutschland auf die Feststellung, dass es sich dabei um Leistungen des hiesigen Importeurs und der ihm angeschlossenen Betriebe handelt: Fahrzeuge, die aus dem Ausland importiert werden, kommen nicht in den Genuss dieser Garantien.

Von Gerlinde Fröhlich-Merz