An zwölf, bis zu 35 Meter langen Stahlseilen hängt die 14 Meter lange und sechs Meter breite Fähre, die im Viertelstunden-Takt die 135 Meter lange Strecke in 1,5 Minuten und zwei Meter über der Wasseroberfläche zurücklegt; von 5 Uhr bis 23 Uhr zieht der unter der 41 Meter hohen Eisenbahnbrücke hängende Schlitten sie fast lautlos mit Elektromotoren übers Wasser. Bedient wird die Schwebefähre von Fährmaschinisten, die anders als die Kapitäne der schwimmenden Konkurrenz kein nautisches Patent oder Matrosenbrief haben müssen.
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Bis vor wenigen Jahren gab es noch einen Festmacher, der auf dem Autodeck für Ordnung sorgte und die Schranken bediente; er wurde durch eine Signalanlage ersetzt. Seitdem können pro Überfahrt nur vier statt sechs Autos befördert werden. "Die Autos sind eben größer geworden", sagt Henningsen; inoffiziell gilt aber die mangelnde Kunst platzsparenden Parkens als Grund für die Reduzierung. "Das geringere Gewicht schont aber auch die alte Technik", freut sich Henningsen und plant den weiteren Betrieb bereits bis zum Jahr 2050.
Natürliche Feinde hat die Rendsburger Schwebefähre nur zwei: Rost und Schiffe. "Wir prüfen die Stahlseile regelmäßig auf Korrosion", erklärt Henningsen. Was die Schiffe angeht, so gibt es klare Regeln - die haben auf dem Kanal immer Vorfahrt vor den insgesamt 14 Fähren zwischen Kiel und Brunsbüttel. Sollte einmal ein Frachter ungewollt im Nebel oder durch einen Ruderschaden vom Kurs abkommen, so wurde von Amtswegen Vorsorge geschaffen: Ein Stahlbetonwall umrahmt an beiden Ufern die Haltebuchten der Fähre.
Nur einmal half das nichts. In einer Januarnacht im Winter 1993 zerrten Orkanböen so heftig an der in Ruhestellung hängenden Fähre, dass sich die Bremsen lösten. Unbemerkt rollte die Fähre samt Schlitten langsam in die Mitte des Fahrwassers; Kapitän und Lotse des holländischen Frachters Linda Marijke sahen das unbeleuchtete Hindernis zu spät - der Frachter büßte Vormast und Deckskran ein, die Fähre überstand die Havarie ohne größere Schäden.
Außer in Rendsburg wurden in Deutschland noch in Kiel und in Osten Schwebefähren gebaut. Die Kieler Fähre überspannte von 1910 bis 1923 einen Teil der kaiserlichen Marinewerft; die älteste deutsche Schwebefähre wurde 1909 in Osten im Landkreis Cuxhaven eingeweiht und quert bis heute die Oste, einen Nebenfluss der Elbe.
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(SZ vom 31.10.2008/gf)
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