Schiffe, die zur Verschrottung gehen, gibt es seit wenigen Wochen wieder in großen Mengen. Der Preis pro Tonne Schiffsschrott ist zwar von mehr als 500 auf derzeit nur noch 200 Dollar gesunken, aber: Seit die Finanzkrise die Frachtraten drückt, kommt für immer mehr Schiffe das betriebswirtschaftliche Aus; viele Reeder trennen sich von ihrer Alttonnage. Seit Januar traten weltweit bisher 276 Seeschiffe mit einem Gewicht von zusammen zwei Millionen Tonnen ihre letzte Reise an; allein im dritten Quartal waren es weltweit 118 Schiffe mit 940.000 Tonnen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2007 wurde 289 Schiffe mit nur 1,7 Millionen Tonnen verschrottet, wie die französische Agentur Robin des Bois in Paris ermittelte.
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Mehr als 80 Prozent dieser Schiffe gehen an Abwracker in Indien, Bangladesch oder China, den Rest teilen sich Werften in USA und Europa. Aliaga ist dabei der wichtigste Schiffsrecyclingbetriebe innerhalb der OECD-Staaten - 2007 wurde die türkische Bucht für 76 Schiffe mit einem Gewicht von 135.912 Tonnen zur Endstation. Eine Stahlwinde zieht die Rümpfe an der Ankerkette aus dem Meer, dann brechen Raupenbagger und Schneidbrenner Stück für Stück aus dem Rumpf. Lastwagen übernehmen danach den letzten Transport des zerkleinerten Schrotts in ein benachbartes Stahlwerk.
Schiffsrecycling will gut vorbereitet sein. Nur saubere Schiffe bringen den höchsten Gewinn. Giftstoffe sorgen für Abschläge und Ärger. Spätestens seit türkische Abbrecher den mit Asbest vollgestopften Tanker Otapan an die holländischen Auftraggeber nach Amsterdam zurückschickten, wissen die Schiffseigner, was passiert, wenn sie unzureichende Angaben machen. Damit die Schweißer in Aliaga ihren Job möglichst sicher erledigen können, müssen Reeder bald Vorsorge treffen. Das Zauberwort ist die zertifizierte Schadstoffliste - offiziell: Inventory of Hazadous Materials (IHM). Diese Liste ist Teil einer neuen Konvention, die das sichere und umweltverträgliche Abwracken von Schiffen von 2013 an international regeln soll.
Die Weichen dafür hat das Umweltkomitee der International Maritime Organization - kurz: Imo - Anfang Oktober auf ihrer 58. Sitzung in London gestellt; Anfang Mai 2009 soll die Konvention dann von der diplomatischen Konferenz der Imo in Hongkong verabschiedet werden. "Betroffen sind davon mittelfristig 50.000 Schiffe. Wir bieten den Reedern deshalb jetzt Unterstützung bei der praktischen Umsetzung der neuen Regelungen an", sagt Stefanie Norman vom Germanischen Lloyd. Denn neben der Vermeidung gefährlicher Stoffe wie Asbest oder Schwermetallen bereits beim Neubau eines Schiffes steht die Erfassung der vorhandenen Schadstoffe im Vordergrund.
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(SZ vom 15.11.2008/gf)
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