Von Von Michael Harnischfeger

Speziell das Dieselmodell mit 1,5 Litern Hubraum kommt flott vom Fleck und ist trotzdem sparsam. Der Käufer hat die Wahl unter zahlreichen Design- und Ausstattungslinien.

Vorbei die Zeiten, als Kleinwagen noch kleine Motoren hatten. Mit 40 PS war ein VW Polo Mitte der 70er Jahre noch gut motorisiert, mit 75 Pferdestärken war er Anfang der 80er ein Heißsporn, mit den 113 PS der seltenen Kompressor-Version G 40 ein Bürgerschreck. Und heute? Kaum ein Mini fängt unter der 60-PS-Grenze an, und nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.

Clio am Berg

Lächelt er breit oder grinst er verschmitzt? Renault Clio (© Foto: Renault)

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Diese Gedanken gehen einem durch den Kopf beim Entern des Clio 1.5 dCi. Den mit diesem Kürzel bezeichneten Common-Rail-Diesel gab es bislang in zwei Leistungsklassen mit 48 und 60 kW (65 und 82 PS). Schon der schwächste sorgt für absolut ausreichende Fahrleistungen - und das nicht nur aus Sicht derer, die vor gut drei Jahrzehnten mit den 60 PS eines Opel Rekord Diesel auf die Suche nach der verlorenen Zeit gingen.

Lebens- und sonstige Beschleunigungen

Doch unser Leben beschleunigt sich ja immer mehr; und folgerichtig werden unsere Autos auch immer schneller. Von den 96 kW (130 PS) eines Seat Ibiza 1.9 TDI ist der neue Top-Diesel des Clio zwar noch entfernt. Doch mit 74 kW oder 101 PS ist er gut genug für 185 km/h Spitze und etwas mehr als zehn Sekunden für den Sprint von Null auf 100 km/h.

Unter wirtschaftlichen Aspekten ist dieser Motor trotz seines Spatzendurstes von gerade einmal 4,3 Litern pro 100 Kilometer natürlich Unfug, zumal der ebenfalls flinke Bruder mit 65 kW (82 PS) 800 Euro billiger ist.

Doch die Kombination aus viel Drehmoment und kleinem Auto hat Charme. Maximal 200 Nm schieben die Fuhre unangestrengt voran. Lärm und Hektik durch hohe Drehzahlen bleiben aus, und alsbald stellt sich das schöne Gefühl ein, üppig motorisiert zu sein. Überholvorgänge auf der Landstraße gelingen mühelos, ohne dass man den leichtgängigen Schalthebel bemühen muss.

Diesel-Wiesel

Erfreulich auch die Laufkultur des Diesel-Wiesels. Bei normaler Fahrt nuschelt er nur piano aus seiner Kammer im Vorderwagen und auch bei höheren Drehzahlen verkneift er sich Vibrationen oder Dröhnen. Man kann sich alsbald vorstellen, mit diesem Auto alt zu werden, zumal es dank sorgfältiger Verarbeitung nicht den Eindruck macht, innerhalb der nächsten Jahre hör- oder sichtbar zu altern. Voraussetzung hierfür ist aber auch, dass man sich mit der Geschichte des Clio arrangiert.

Denn trotz eines Modellwechsels im Jahr 1998, als der einst kantige Clio seine heutigen, rundlichen Formen und eine damals vorbildliche Sicherheitsausstattung erhielt, ist das aktuelle Modell nicht weit entfernt von 1991. Das heißt: Auf nach wie vor 2,47 Metern Radstand bietet der vor allem bei Frauen beliebte Clio, das 2003 in Europa nach dem Peugeot 206 meistverkaufte Auto, vorne gut, hinten nur ausreichend Platz. Die Cockpitgestaltung wirkt mittlerweile ein wenig altbacken und die Lenksäule ist nur in der Neigung verstellbar.

Zu bedenken ist auch, dass Renault die deutsche Liebe zu möglichst sauberen Abgasen nicht gänzlich teilt. Wie seine schwächeren Diesel-Brüder ist der mit drei Türen ab 13.900 Euro erhältliche Power-Diesel nur schadstoffarm nach Euro 3 und soll die D4-Norm irgendwann im zweiten Halbjahr 2004 erfüllen.

Auch was für Sportsfreunde

Die meistert schon heute - wie alle anderen Benziner zwischen 43 und 79 kW (60 und 107 PS) - der 2.0 16V. Von 169 auf 179 PS erstarkt, hält er das Erbe des Clio 16V wach, der in den frühen 90ern mit 135 PS einen Macho-Kontrapunkt zu den Normalo-Clios setzte. Mit 222 km/h Höchstgeschwindigkeit, sportlich bösem Ton bei hohen Drehzahlen und einem knackigen Fahrwerk empfiehlt sich der nicht zu krawallig aufgemachte Zweiliter-Clio jenen Sportsfreunden, die mindestens 22.500 Euro in der Tasche haben und sich beim Kauf den Luxus von Unvernunft leisten können.

Viele werden es nicht sein. Renault denkt, dass er in Deutschland - wie auch der 101-PS-Diesel - nur einen von 100 Käufern für sich gewinnen kann. Der große Rest wählt die weniger exaltierten Modelle und darf sich seinen Clio nach dem Motto "Wie er euch gefällt" zusammenstellen.

Ähnlich wie bei den neuen Renault-Modellen lassen sich vier Designlinien mit drei Ausstattungsniveaus kombinieren. Dabei soll sogar ausstattungsbereinigt ein kleiner Preisvorteil herausspringen. Die Clio-Gemeinde weiß diesen Treuebonus in den letzten Monaten vor dem Modellwechsel Ende 2005 sicher zu schätzen.

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(SZ vom 28. 1. 2004)