Von Dominik Hutter

Ob Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt oder das Ruhrgebiet - die Zahl der Fahrgäste in den Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs nimmt überall deutlich zu.

Bisher ist es vor allem ein "Bauchgefühl", wie Klaus Wazlak von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) berichtet, allerdings ein weit verbreitetes. Ob Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt oder das Ruhrgebiet - die Zahl der Fahrgäste in den Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs nimmt überall deutlich zu. Da will in Zeiten exorbitant hoher Spritpreise niemand mehr an Zufälle glauben.

Platzprobleme: In München wird darüber nachgedacht, wie sich die stetig dichter werdenden Fahrgastströme in der Innenstadt bewältigen lassen. (© Foto: dpa)

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Plus acht Prozent verzeichnet die Berliner S-Bahn im Vergleich zum Vorjahr, ein rekordverdächtiger Wert. Hamburg und München melden Zuwächse um die 1,5 Prozent - was zunächst wenig klingt, aber doch mehrere Millionen zusätzlicher Fahrten bedeutet. Das Problem ist nur: "Wir können nicht genau sagen, ob das allein an den Spritpreisen liegt", räumt Tina Allerheiligen von der Hamburger Hochbahn ein. Denn die Fahrgäste selbst hat bislang niemand befragt.

Parklizenzgebiete und Umweltzonen

Das aber wäre unumgänglich, um wirklich aussagekräftige Informationen zu erhalten. Denn es gibt, je nach Wohnort, unterschiedliche Gründe, das Auto in der Garage zu lassen: Neue Nahverkehrsangebote wie die Verlängerung der Hamburger S-Bahn bis nach Stade, die neue Stadtbahnverbindung in Köln oder auch ein Lückenschluss im Münchner U-Bahnnetz. Dazu kommen die steigende Zahl der Parklizenzgebiete sowie die Ausweisung immer neuer Umweltzonen. Oder, was freilich nur für Boomregionen wie Hamburg oder München gilt, steigende Einwohnerzahlen. Beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen in Köln ist man dennoch überzeugt: Vor allem die hohen Spritpreise sind es, die viele Autofahrer ins Grübeln bringen - und später zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel.

Ein wichtiges Indiz dafür ist das Verhalten der Pendler, die für ihre regelmäßigen und oft auch recht langen Autotouren sehr viel Geld ausgeben müssen. Das reizt natürlich besonders zu einer ersten Schnuppertour mit Bussen und Bahnen, deren Preise deutlich moderater angestiegen sind als die an der Tankstelle. Läuft dabei alles glatt, folgt der Kauf eines Monatstickets. Diese Entwicklung ist in Hamburg deutlich zu beobachten: An der Alster stieg die Zahl aller verkauften Fahrkarten im Jahr 2007 um 2,9 Prozent. Betrachtet man aber allein die für Berufspendler interessanten Abonnements und Jobtickets, lag das Plus bei 5,8 Prozent.

Mehr Berufspendler

Oft genügt auch nur ein prüfender Blick in die Züge, um die steigende Zahl der Berufspendler wahrzunehmen. "Einige Linien sind inzwischen sehr voll", berichtet Peter Vollmer vom Rhein-Main-Verkehrsverbund. Was offenkundig für viele Städte gilt: In München wird darüber nachgedacht, wie sich die stetig dichter werdenden Fahrgastströme an den Umsteigebahnhöfen der Innenstadt noch bewältigen lassen. Von Dezember an soll deshalb die Stoßzeit mit ihren attraktiven Taktzeiten verlängert werden - in der Hoffnung, den Ansturm zu entzerren. Die Hamburger Hochbahn hat einen ähnlichen Schritt bereits hinter sich. Dort rollen die U-Bahnen inzwischen bis 21 Uhr im Fünf-Minuten-Takt.

Ob die höhere Auslastung auch die Wirtschaftlichkeit des öffentlichen Nahverkehrs verbessert, muss sich erst noch zeigen. Natürlich verschönern höhere Fahrgeldeinnahmen die zumeist defizitäre Bilanz der Unternehmen - allerdings nur, solange keine Investitionen erforderlich werden, in zusätzliche Züge etwa. Den meisten Verkehrsanbietern wären deshalb Zuwächse in den sogenannten Schwachlastzeiten bedeutend lieber als im Berufsverkehr, wo ohnehin schon sämtliche verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz sind.

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(SZ vom 18.07.2008/jw)