Radverkehr in Kopenhagen Platz ist in Kopenhagen eigentlich immer knapp

Die Stadt hat den Autofahrern bereits viel Platz weggenommen und den Radfahrern gegeben. Und Platz ist in Kopenhagen immer knapp, Kanäle und Häfen zwingen zusätzlich zu Umwegen. Auf der wichtigen Königin-Luise-Brücke im Zentrum haben die Radler trotzdem komfortable vier Meter Platz auf jeder Seite, während die Autos mit einer Spur pro Richtung auskommen müssen. Das Ergebnis: Fahrräder machen inzwischen etwa 86 Prozent des Verkehrs auf der Königin-Luise-Brücke aus.

Die Stadt fasst die Erfolge ihrer Fahrrad-Politik gerne in Zahlen, jedes Jahr veröffentlicht sie einen "Fahrrad-Bericht". Im neuesten steht, dass zwei Drittel der Kopenhagener täglich mit dem Rad zur Arbeit, Schule oder Uni fahren. Und: dass die Stadt vergangenes Jahr zum ersten Mal seit 1970 mehr Fahrräder in der Innenstadt gezählt hat als Autos. Gesamtlänge des Radwegenetzes: 375 Kilometer. Strecke, die alle zusammen täglich mit dem Rad zurücklegen: 1,4 Millionen Kilometer. Durchschnittliche Geschwindigkeit: 16,3 Kilometer pro Stunde. Jetzt gefährden also Staus diese Erfolgsbilanz.

Fußgänger, Auto- und Radfahrer: Manchmal sind alle genervt

"Wenn die Leute sehen, dass sie nicht mal mehr mit dem Rad durchkommen, kann man sie nicht mehr dazu bringen, das Rad zu benutzen", sagt Niels Agerholm, Experte für Verkehrssystemmanagement von der Universität Aalborg. Er glaubt nicht daran, dass die neuen Tafeln viel an den Routen ändern werden. Doch die Tafeln sollen den Radlern zeigen, dass die Stadt ihre Probleme ernst nimmt - nebenbei würden sie Staus auch erträglicher machen. "Auf den Bus zu warten fällt ja auch leichter, wenn man weiß, wie lange man warten muss", sagt Agerholm. Eine Sache dürfe man nicht vergessen, sagt der Verkehrsexperte. Die Kopenhagener Fahrrad-Politik sei eine Erfolgsgeschichte. Schon klar.

Den Erfolg bekommen in der dänischen Hauptstadt vor allem Fußgänger und Autofahrer zu spüren, die sehr häufig auch genervt sind von diesen wahnsinnig breiten Radwegen, von der Kopenhagener Fahrradflut. Die macht selbst manchen Fahrradfahrern Angst. "Wir hören immer öfter von Leuten, die gerne mit dem Rad fahren würden, dass sie sich nicht trauen", sagt Erik Hjulmand vom Radverband. Manchmal, sagt er, seien für die Radfahrer nicht die Autos das größte Problem. Es sind die anderen Radfahrer.