Radschnellweg RS1:Mit dem Rad durchs Revier - rasend schnell

Ein Radschnellweg soll die verstopfte Autobahn A 40 im Ruhrgebiet entlasten. Länge: 101 Kilometer. Kosten: knapp 184 Millionen Euro.

Von Thomas Harloff

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(Foto: dpa)

Die A 40 ist die wichtigste Verkehrsader des Ruhrgebiets - und ständig verstopft. Nicht nur zu Stoßzeiten wird aus dem "Ruhrschnellweg" der "Ruhrschleichweg". Doch die Arbeitspendler setzen sich weiter Tag für Tag in ihre Autos, um sich auf der A 40 in den Stau zu stellen. Das mag auch am Mangel an attraktiven Alternativen liegen.

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(Foto: Oliver Berg/dpa)

Geht es nach dem Regionalverband Ruhr, ist eine dieser Alternativen das Fahrrad. Ein Hauptargument für den Umstieg vom Auto auf das Velo soll eine Adaption der A 40 sein: der Radschnellweg Ruhr, kurz RS1. Heute wurde das zweite, 5,8 Kilometer lange Teilstück zwischen dem Hauptbahnhof Mülheim und dem westlich in Essen gelegenen Stadtteil Frohnhausen offiziell eröffnet. Zusammen mit der schon länger finalisierten Etappe zwischen der Universität Essen und Frohnhausen ist RS1 inzwischen elf Kilometer lang.

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(Foto: Regionalverband Ruhr)

Genutzt wurde der Abschnitt, der erstmals zwei Revier-Städte miteinander verbindet, schon eine Weile - und das sehr rege. Radfahrer, Inlineskater und Fußgänger waren schon fleißig auf dem Teilstück unterwegs. Es ist eine Art Prototyp für die insgesamt 101 Kilometer lange Strecke, die die erste ihrer Art in Deutschland werden und zwischen den Städten Duisburg und Hamm verlaufen soll. Auf einer Ost-West-Achse würde sie unter anderem die Ruhrgebiets-Metropolen Essen, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund miteinander verbinden. Die Route soll möglichst viele große Arbeitsplatzstandorte, Hochschulen, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen streifen sowie konsequent an Haupt- und S-Bahnhöfe angebunden werden. Malerische Landschaften oder Sehenswürdigkeiten sollte man entlang der Strecke jedoch nicht erwarten. Sie ist eben eher für Arbeitspendler als für Touristen gedacht.

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(Foto: dpa)

Der vier Meter breite Radschnellweg Ruhr soll vor allem stillgelegte Bahntrassen nutzen sowie möglichst geradlinig, kreuzungs- und ampelfrei verlaufen. Ein neuer ebener Fahrbahnbelag, wenige Steigungen, umfangreiche Beleuchtung und der Einsatz des Winterdienstes sollen die Sicherheit und den Komfort erhöhen. Auf die Beleuchtung müssen Radfahrer, die den Abschnitt zwischen Essen und Mülheim nutzen, derzeit allerdings noch verzichten. Dennoch hat dessen Bau allein 4,5 Millionen Euro gekostet.

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(Foto: Regionalverband Ruhr)

Das erste Teilstücke ist nun eröffnet, doch bis zum Abschluss des Projekts ist es noch ein weiter Weg. Vor gut einem Jahr wurde eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, doch erst seit zwei Wochen gibt es einen Grundsatzbeschluss der beteiligten Kommunen, das Projekt weiter zu verfolgen.

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(Foto: dpa)

Das Zögern der Kommunalpolitiker ist verständlich, denn das Projekt soll insgesamt 183,7 Millionen Euro kosten. Das meiste Geld fließt in den Bau von Brücken und Unterführungen, um die Radfahrer am Straßenverkehr vorbeizuleiten. Der Studie zufolge will sich das Bundesverkehrsministerium im Rahmen des "Nationalen Radverkehrsplans" an den Investitionen beteiligen - mit 370 000 Euro, was nur etwa 0,2 Prozent der Gesamtsumme entspricht. Zum Vergleich: Allein die Stadt Dortmund steuert 30 Millionen Euro bei.

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(Foto: Regionalverband Ruhr)

Der Regionalverband Ruhr als Projektträger geht von einer Fertigstellung im Jahr 2020 aus. Zwei der größten Hindernisse sind die Streckenführungen durch Bochum und Dortmund. Dort müssen noch Lösungen für Engstellen her. Es soll möglichst wenig Nadelöhre geben, an denen der Fluss des Fahrradverkehrs ins Stocken gerät.

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(Foto: Tim Foltin; Regionalverband Ruhr)

Die Pläne der Macher sind ambitioniert. Im Idealfall sollen durch den RS1 täglich bis zu 50 000 Autos weniger über die Straßen des Ruhrgebiets rollen. Das würde den konservativen Berechnungen zufolge pro Tag 400 000 Pkw-Kilometer einsparen - mit allen positiven Nebeneffekten. Die Machbarkeitsstudie geht allein dadurch von zwei Prozent weniger Verkehrsunfällen und 16 600 eingesparten Tonnen des Treibhausgases CO₂ aus.

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(Foto: Regionalverband Ruhr / Berns)

Das sind Argumente, die sogar den ADAC überzeugen. Der Autofahrerclub unterstützt die Radschnellweg-Pläne. Schließlich profitieren davon auch die Autofahrer - durch entlastete Straßen. Und vielleicht wird die A 40 dank des Radschnellweges wieder zum "Ruhrschnellweg".

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