Wissenschaftler der Uni Duisburg/Essen haben ein System entwickelt, das Staus vorhersagen sagen kann — im Internet ist das zum Renner geworden.

Täglich quälen sich tausende Autofahrer durch den Berufsverkehr in Nordrhein-Westfalen. Um ihnen zu helfen, haben Fachleute der Universität Duisburg/Essen ein besonderes Rechenmodell entwickelt: Sie warnen vor Staus, bevor diese entstehen. Ihre Stau-Prognose im Internet ist in wenigen Wochen zum Renner geworden: 200.000 Besucher klicken täglich auf die virtuelle Stau-Schau.

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58 Stunden pro Jahr steht der Durchschnittsautofahrer im Stau. (© )

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"Jeder deutsche Autofahrer steht pro Jahr durchschnittlich 58 Stunden im Stau", berichtet Michael Schreckenberg. Der Professor hat gemeinsam mit seinen Studierenden ein System entwickelt, das Autofahrer in die Zukunft blicken lässt: Immerhin kann dort die Verkehrslage der nächsten halben Stunde simuliert werden.

Auftraggeber für das weltweit beispielhafte Prognosesystem, das seit Ende März im Netz steht, ist das NRW-Verkehrsministerium. Aus insgesamt 4000 Induktionsschleifen, die in den Fahrbahndecken der Autobahnen des Landes installiert sind, werden minütlich aktuelle Daten in die Uni übermittelt. Diese verraten den Stauforschern, wie viele Autos gerade mit welcher Geschwindigkeit über die Autobahnen rollen.

Herzstück des Systems ist ein Verkehrssimulator, der jedes einzelne Fahrzeug, das sich auf den Straßen bewegt, im Rechner abbildet. In der Simulation bewegen sich die Fahrzeuge virtuell nach physikalischen Gesetzen weiter. Wenn es eng zu werden droht, markiert der Computer den Autobahnabschnitt gelb für zäh fließend und rot für einen zu erwartenden Stau.

"Wir wollen mit unserem System eine Entlastung der Verkehrslage schaffen" sagt Physiker Schreckenberg. Im Idealfall informiere sich jeder Autofahrer kurz vor der Fahrt über die Situation auf den Straßen — sucht sich bei viel Verkehr eine Alternativroute oder weicht auf öffentliche Verkehrsmittel aus — und der Stau entsteht doch nicht.

Ob die Internet-Prognose den Straßenverkehr selbst bereits positiv beeinflusst, würde der Wissenschaftler selbst gerne wissen: "Wir bekommen zwar E-Mails von Autofahrern, die unser System loben - ob die Fahrer deswegen tatsächlich auf Alternativen ausweichen, können wir allerdings noch nicht sagen."

Die Stauforscher sind inzwischen nicht nur bei Autofahrern gefragt: Für die Veranstalter der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 berechnen die Duisburger nun das Verkehrsaufkommen vor den WM-Spielen, damit Fans und Fußball-Teams pünktlich zum Anpfiff im Stadion sind.

Ihre populäre Internet-Prognose wollen die Duisburger auf eine Stunde erweitern. Außerdem sollen sich Autofahrer auch über die Landesgrenzen hinaus informieren können. "Wir führen gerade Gespräche mit Rheinland-Pfalz", berichtet der Stauforscher. "Langfristig möchten wir auch alle anderen Bundesländer einbinden."

(sueddeutsche.de/dpa)

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