Von Birgit Lutz-Temsch

Nur was für Senioren? Von wegen - Pedelecs könnten das sinnvollste urbane Verkehrsmittel der Zukunft werden. Eine Testfahrt.

Der Mountainbiker wundert sich. Unter vollem Einsatz seiner Muskelkraft strampelt er die städtische Anhöhe hinauf - als Erster von allen, die an der Ampel unten gestartet waren. Er tritt, als ginge es um sein Leben. Und dann überholt ihn eine Frau, die entspannt und aufrecht auf ihrem Rad sitzt und kein bisschen angestrengt ist. Sie tritt in einem ziemlich hohen Gang nur leicht in die Pedale und es scheint, als würde sie den Berg hinaufgezogen. Wie Zauberei.

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Fahren und gefahren werden: Bei den Pedelecs gibt es zwei Konzepte der Unterstützung. Entweder arbeitet der Elektromotor an der Vorderradnabe wie beim Estelle Tour P 250 (links) oder aber direkt hinter den Pedalen wie beim Modell Pro Connect von Kalkhoff. (© Foto: oh)

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Zauberei sind sie auch fast, die Pedelecs. Pedelecs - Pedal Electric Cycles - sind die Fahrräder, die die Muskelkraft beim Treten bei Bedarf durch einen kleinen Elektromotor unterstützen. Und diese Bikes sind mit Macht dabei, aus dem Image des Rads für Senioren kurz vor dem Umstieg auf den Rollator herauszurollen - erstens, weil es sie mittlerweile auch in wesentlich schnittigeren Modellen gibt als noch vor einigen Jahren, und zweitens, weil man nicht einfach faul auf ihnen herumlungernd durch die Stadt summen kann, sondern sehr wohl treten muss. Denn ohne angemessenen Druck auf die Pedale springt der Elektromotor gar nicht erst an.

Die Pedelecs gehören damit zur Übergruppe der E-Bike genannten elektroangetriebenen Fahrräder - und als solche vereinen sie alle Vorteile des Radfahrens in sich. Der Radler bewegt sich an der Luft, verpestet selbige zwar sekundär durch die ursächliche Stromerzeugung, aber in wesentlich geringerem Umfang als mit Roller oder Auto. Man kann entspannt auf Radwegen an den im Stau wartenden Autos vorbeiziehen, braucht keinen Parkplatz und ist auf fast allen Stadtstrecken wesentlich schneller als mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und das alles, ohne zu schwitzen.

Dementsprechend wenden sich die Hersteller der Elektroräder längst nicht mehr nur an Senioren, denen langsam die Puste ausgeht. In den Fokus der Industrie sind die urbanen Arbeitnehmer gerückt, die es satthaben, im Stau zu stehen oder sich nach Busabfahrtszeiten zu richten, und die trotzdem einigermaßen gepflegt an ihrem Arbeitsplatz ankommen wollen. Zu der wachsenden Zielgruppe gehören auch Eltern, die man morgens und abends in Städten beobachten kann, wenn sie ihren Nachwuchs mit Anhängern in die Kindertagesstätten bringen oder wieder abholen.

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