Pedelecs im Crashtest Pfeilschnell ins Verderben

Elektro-Fahrräder sind schwer in Mode, doch ein Crashtest entlarvte jetzt gravierende Sicherheitsmängel - lebensgefährliche Verletzungen können die Folge sein.

Von Daniel Hautmann

Mühelos tritt der Radfahrer in die Pedale. 44 km/h zeigt der Tacho - der elektrische Zusatzantrieb verleiht mächtig Schub. Rund 100 Meter weiter ahnt der Fahrer des gelben Kombis, der in die Straße einbiegen will, nicht, wie schnell der Radler ist. Das reicht dicke, denkt er, genügend Zeit.

Doch dann passiert es: Ungebremst kracht der Radler in die Seite des Wagens. Glas splittert, Blech verbeult, Knochen brechen. Zuerst prallen seine Knie gegen die Tür, Sekundenbruchteile später klatscht sein Brustkorb gegen die Kante des Dachs. Schließlich schlägt der Radler mit dem Kopf auf der Frontscheibe auf und bleibt liegen.

Der tödliche Unfall war zum Glück nur gestellt. Der Radler, ein mit Sensoren gespickter Dummy, prallte im gleißenden Licht der Crashtest-Anlage gegen den gelben Kombi - im Dienste der Unfallforschung und gefilmt von Hochgeschwindigkeitskameras. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) demonstrierte auf diese Weise, wie gefährlich die Fahrt auf sogenannten Pedelecs sein kann.

Pedelecs sind Fahrräder mit Hilfsmotor. Sobald der Fahrer in die Pedale tritt, unterstützt ihn ein bis zu 500 Watt starker Elektromotor, der von leistungsstarken Batterien gespeist wird. Offiziell sind Pedelecs, zumindest solche, die maximal 25 km/h schnell sind, Fahrräder. Und die dürfen ohne Helm gefahren werden, das hat die Verkehrsministerkonferenz gerade bestätigt.

Bikes mit eingebautem Rückenwind sind schwer angesagt. 2010 wurden in Deutschland rund 200.000 dieser Räder verkauft, vor allem ältere Menschen wissen den Extraschub zu schätzen.

Aber zunehmend schwingen sich auch Jüngere aufs E-Rad, ziehen ihre Kinder im Anhänger übers Land oder radeln auf dem Weg ins Büro vielfach Strecken, die ihnen ohne Unterstützung viel zu lang wären. Kurz: Pedelecs sind der Renner. Ende des Jahres, so schätzt der GDV, werden rund 600.000 Elektrofahrräder in Deutschland unterwegs sein.

Die traurige Wahrheit ist, dass jedes Jahr etwa 500 Menschen durch Radunfälle sterben - ob mit oder ohne Motor. Und die Unfallforscher des GDV rechnen mit weiter steigendem Risiko durch die Pedelecs. Und das nicht nur für die Fahrer, sondern auch für andere Radler und Fußgänger. Das war der Grund für sechs Crashtests in verschiedenen Konfigurationen: Pedelec gegen Auto, Pedelec gegen Radfahrer, Pedelec gegen Fußgänger.

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