Die Wiederauserstehung der Geschmacklosigkeit? Bitte nicht!

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Die gute Nachricht vorneweg: Man sieht sie kaum noch. Aus dem Straßenbild sind die Mantas längst verschwunden. Einzig in den Hinterhofgaragen einiger Hardcore-Fans mögen sie noch aufzufinden sein - um dann einmal jährlich zu bierseligen Manta-Treffen ausgeführt werden.

Das ist auch gut so, denn: Mann, war der geschmacklos und, ja: peinlich! Mag ja sein, dass sich Hänschen aus dem Hasenbergl oder Kurti aus Simmering unter dem Manta das vorgestellt haben, was die große, weite Welt so zu bieten hat (wobei in den Vororten der Großstädte damit vor allem Amerika gemeint war). Mag auch sein, dass sie nie eine andere Chance hatten, als sich eine gewisse Ersatzbefriedigung fürs nicht ausgelebte Fernweh zu besorgen. Aber musste die gleich so geschmacksverirrt ausfallen?

Opel, auch daran muss erinnert werden, brauchte anno 1970 eine Antwort auf den Ford Capri. Der wurde zwar ebenfalls schnell als Mustang des kleinen Mannes verunglimpft, Erfolg hatte er dennoch. Der Manta A war als Antwort immerhin gelungen: Der Möchtgernsportler aus Rüsselsheim mobilisierte mit seinen Vierzylinder-Motoren zwar nur 60 bis 90 PS, für die gewisse Vorort-Virilität reichte es dennoch. Zumal das Blech und die Technik des Manta genügend Platz ließ für Tuning- und Spoileraktivitäten aller Art (Tieferlegung!).

Der Manta B aber, ab 1975 gebaut, entglitt den Rüsselsheimern vollständig. Er prägte fortan die Parkplätze aller Discos zwischen Lüneburger Heide und Bayerischem Wald. Die Antenne zierte meist ein Fuchsschwanz, die Vokuhila-Frisur des Besitzer war dank massiven Haarsprayeinsatzes fast waffenscheinpflichtig, die Beifahrerin versuchte als 3-Wetter-Taft-Blondine und aus den getunten Boxen plärrte Iron Maiden. Im Sommer kam dann noch die fünffach verspiegelte Sonnenbrille hinzu. Das wollen wir doch nicht wirklich wieder, oder?

Opel legt sogar noch einmal nach und präsentierte die "Black Magic"-Edition, den Manta GT/E. Ganz in schwarz lackiert kam er mit grellorangen Seitenstreifen und karierten Recaro-Sportsitzen vorgefahren. Es half, Gott sei dank, nicht: 1988 war, nach 13 Produktionsjahren, endgültig Schluss.

Das heißt: nicht ganz. 1991, also nur drei Jahre später, beglückte Regisseur Wolfgang Büld Deutschland mit seinem "Manta, Manta"-Film. Zu sehen: Til Schweiger in seiner ersten Hauptrolle - als Manta-Fan Bertie. Wer das Manta-Dilemma bis dahin nicht verstanden hatte: Zehn Minuten Film reichen (siehe unten). So wie die sogenannte Action-Komödie heute ganz zu Recht vergessen ist, so sollte auch der Manta selig und in Frieden ruhen dürfen.

Auch, um Witze wie den folgenden nicht erneut zu befeuern: Treffen sich zwei Manta-Fahrer. Sagt der eine: "Du, ich hab mir gestern einen Duden gekauft!" Antwortet der andere: "Und? Hast ihn schon eingebaut?"

Wollen wir geistig wirklich so tief fliegen? Mag der Motor auch frisch frisiert und Heckspoiler blank poliert sein: Geschmacksverirrungen dürfen sein - sollten aber, bitteschön, nicht wiederholt werden.

Günther Fischer

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