Oldtimer von Mercedes Vorgeschichte bleibt mysteriös

Details und Vorgeschichte seiner beiden, auf fünf Meter Länge gestreckten Karossen bleiben bis heute ein wenig mysteriös. Das fängt schon bei der genauen Typenbezeichnung an. Die "322" auf beiden Kofferraumdeckeln war für Mercedes-Lastwagen reserviert. Selbst im Motorraum gibt es kein genaues Typenschild und im Stuttgarter Mercedes-Museum ist man sich auch nicht sicher: "Vermutlich waren das 200er-Diesel, als sie das Werk verlassen haben, eventuell vom Typ 220SE", vermutet Mercedes-Sprecher Malte Dringenberg.

Chefingenieur Choun gibt zu, die ursprünglichen Selbstzünder gegen 110 PS starke, 15 Jahre alte Benziner ausgetauscht zu haben: "Die Diesel waren einfach zu laut." Auch die Original-Klimaanlagen und verrostete Strukturteile wurden ersetzt. "Solche Arbeiten macht für uns ein alter Ingenieur hier in Siem Reap, der kennt sich gut aus", so Choun. Immerhin gibt es noch rund 20 andere Mercedes-Autos in der Stadt. Teuer seien die alten Wagen nicht, um die 15.000 Dollar, dafür ist deren Zustand mäßig. Da das Aussehen für die Autos des Amansara besonders wichtig ist, wurde "Nummer Eins" bereits 2003 neu lackiert, 2005 gefolgt von Nummer Zwei.

Ersatzteile sind die größte Herausforderung

Die schwierigste Herausforderung ist es, passende Ersatzteile zu finden. "Wir besorgen Teile aus Thailand und Vietnam, die aus anderen Autos ausgebaut werden. Aber oft sind sie schwer zu finden und es dauert viel zu lange", stöhnt Choun. Kürzlich musste eine hintere Radwelle ausgetauscht werden - Ersatz kam erst nach fast zwei Monaten. Aber sonst sind die Veteranen trotz extremer klimatischer Bedingungen rüstig. Schließlich werden sie auch geschont und gehätschelt. "Wir benutzen sie nur auf guten, glatten Straßen, sie fahren daher nur die acht Kilometer zum Flughafen und zurück, im Schnitt 45 Kilometer pro Auto und Tag", verrät Sovatha Choun.

Ausnahmen gibt es nur, wenn ein Hotelgast das mehrere tausend Dollar teure Privat-Dinner bei den Tempelanlagen bucht. Da ist dann die stilvolle Anfahrt in der alten Mercedes-Limousine inklusive - auch wenn die Wege dort etwas holpriger sind. Das Hotel beschäftigt insgesamt drei Mercedes-Fahrer, jeder von ihnen bekommt eine einwöchige Extraausbildung. Der pflegliche Umgang mit den Veteranen lohnt sich: "Wir hatten in den letzten zwölf Monaten nur zwei Probleme, einmal ging die Klimaanlage nicht richtig, das andere Mal war ein Zünddraht gebrochen - typische Probleme alter Autos eben", lacht Sovatha Choun.