Wer einen Oldtimer kaufen will, braucht viel Geduld und einen kühlen Kopf - die Erfahrungen eines Suchenden.
Es sind schon viele Oldtimer-Frühlinge ins Land gegangen, aber noch keiner war so hektisch wie dieser. Die Wertsteigerungs-Rallye nimmt immer dramatischere Formen an: Mercedes 300 SL Roadster plus 50.000 Euro in den letzten sechs Monaten, seltene NeunElfer von Porsche plus 20 Prozent seit Jahresanfang, gute Zwölfzylinder-Ferrari längst jenseits von Gut und Böse.
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Zu Beginn der Achtziger ging es ähnlich hektisch in der Branche der PS-Jäger und Sammler zu, doch diesmal ist noch mehr Tempo drin. Warum? Stefan Luftschitz, Inhaber des Oldtimer-Imperiums C.F. Mirbach: "Vor allem aus China, Russland und Indien kommen immer mehr Wohlhabende, die sich für alte Autos interessieren. Da die Anzahl der verfügbaren Fahrzeuge endlich ist, ziehen die Preise weiter an."
Stimmt. Wir sitzen in der zweiten Reihe der Dorotheum-Auktion für historische Automobile in Schloss Fuschl. Gegen 500 Euro Einsatz gibt es die Bieterkarte mit der Nummer zwölf - Herzklopfen und feuchte Hände sind gratis. Doch irgendwie kommt die Veranstaltung nicht so recht in Schwung. Nur mein ganz persönlicher Traum, ein vorher gründlich auf Schwachstellen abgeklopftes dunkelblaues Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet, bringt leider deutlich mehr als die 90.000 Euro, plus zehn Prozent Aufgeld, die der Kopf dem Bauch als Limit gesetzt hatte.
Danach bestimmt das große Gähnen die Versteigerung, 17 der 26 Exponate bleiben unverkauft. Ernst Pilger, Experte für historische Fahrzeuge: "Manche Verkäufer haben unrealistische Preisvorstellungen. Außerdem scheuen viele potente Bieter die Öffentlichkeit, weshalb die besten Geschäfte oft erst im Nachverkauf laufen." So auch im Falle des perfekten 300 SL Roadster und der liebevoll gepflegten Pagode, die nach harten Verhandlungen erst drei Tage später ein neues Zuhause finden.
Besitzer und Kunde lernen sich fast nie kennen
Während in Amerika die meisten hochkarätigen Autos bei großen Auktionen die Besitzer wechseln, machen in Deutschland auf Klassiker spezialisierte Händler den Deal. Die beiden Großen der Branche heißen C.F. Mirbach und Auto-Salon Singen. Der in der Sammlerszene nicht unumstrittene Ruf, der ihnen vorauseilt, liegt zum Teil daran, dass viele Fahrzeuge auf Kommissionsbasis verkauft werden: Der Einbringer zahlt eine Gebühr auf den möglichst hohen Verkaufspreis, der Händler kümmert sich um die Vermarktung. Weil sich Besitzer und Kunde fast nie kennenlernen, steht und fällt die Seriosität des Angebots mit dem Vermittler. "Vor allem im Hochpreis-Segment kaufen wir aktiv an", behauptet Stefan Luftschitz, "die Autos stehen nicht auf dem Papier, sondern bei uns in der Halle."
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Rekord in Deutschland