Oldtimer Unerbittliche Aufnahmerituale

Eine Kolonnenfahrt der alten Bentleys ist für die Zuschauer vor allem ein akustisches Vergnügen.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Um in den BRC aufgenommen zu werden, muss erst mal ein Platz frei werden: Die Anzahl ist auf 88 begrenzt, und ein neues Mitglied kann erst einsteigen, wenn ein anderes den 1971 verstorbenen Mr. Bentley im Himmel besucht. Man braucht einen vehementen Fürsprecher, muss bereit sein, jederzeit an seinem oder einem anderen Auto zu schrauben, bis einem das Öl aus den Poren tropft. Und es hilft natürlich, Besitzer eines oder mehrerer Cricklewood zu sein.

Was nicht einfach ist, denn selbst die geschundensten (aber technisch einwandfreien) Exemplare sind kaum günstiger als 300 000 Euro, andere wie der nur 55-mal gebaute Blower (4,5 Liter mit Kompressor) mit Rennhistorie kosten mehr als eine Million Euro - wenn überhaupt mal ein echter auf dem Markt ist. "Doch um Geld geht es bei uns nicht", weiß Ex-BRC-Präsident Phillip Strickland, "wer mangelnde Liquidität mit Enthusiasmus, Sportsgeist und Freundschaft ausgleicht, hat beste Chancen, Mitglied werden zu dürfen."

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Nachfolgegemeinschaft der legendären Bentley-Boys

All das passiert ganz im Sinne von Club-Namensgeber Dudley Benjafield. Der Bakteriologe und Le-Mans-Gewinner von 1927 gilt beim BRC als echter Gentleman, perfekter Teamplayer und Gründer der Tradition des Winter-Dinierens in vollem Abendanzug. Er gehörte zu den legendären Bentley Boys. Das war eine verwegene Schar höchst wohlhabender Draufgänger - geführt vom Diamantenminenerbe und späteren Bentley-Firmenbesitzer Woolf Barnato -, die sich mutig in jedes Abenteuer und Rennen stürzte, das mit Bentleys zu machen war. Und so sieht sich der BRC als deren legitime Nachfolgegemeinschaft.

Und die lässt es krachen. In Rumänien fliehen ein paar von ihnen aufgrund leichten Speedings mit ihren bis zu 250 PS starken Boliden problemlos vor der untermotorisierten Autobahnpolizei, woanders lösen beim morgendlichen Start durch Sound und Vibrationen die Alarmanlagen der umliegenden Autos und Hotels aus.

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Ärger wegen der Kartoffelkanone

Zu den größten Entertainern im Club gehört Kjeld Jessen. Der Däne, Besitzer eines viersitzigen Sports-Tourers und Teilnehmer der 16 000-Kilometer-Rallye Peking-Paris, führt meistens eine Kartoffelkanone mit sich. Mit dem Achselspray-getriebenen Selbstbau schießt er normalerweise Bonbons über die staunende Menge am Straßenrand, doch manchmal gehen die Pferde mit ihm durch. Einst munitionierte er das Ofenrohr mit kamellenbestückten Lappen (manche Mitglieder wollen gesehen haben, dass es die persönlichen Socken von BRC-Ehrenpräsident Prinz Michael of Kent, dem Enkel von König George V., waren) und feuerte die Ladung in die Decke eines russischen Hotels. Mangels nachhaltiger Bausubstanz schlugen sie dort tief ein. "Das Ding hat uns schon ein paar Mal fast in den Knast gebracht", freut sich Leidensgenosse Strickland.

Natürlich veranstalten die großen Jungs auch noch eigene Klubrennen. Zum Beispiel den "Vaughan-Davis-Sprint", benannt nach einem Gründungsmitglied. Dazu lädt sich der BRC und andere in den Vorgarten von Lord und Lady Rotherwick ein, um auf deren Zufahrt zum Nordhaus des ehemaligen Jagdschlosses in Cornbury Park, Charlbury, Oxfordshire, ein paar Sprintrennen auszutragen.