Oldtimer als Wertanlage Rollendes Kapital

Mehr und mehr Anleger investieren ihr Geld lieber in teure Oldtimer statt in Wertpapiere. Auf speziellen Auktionen wechseln seltene Exemplare den Besitzer. Davon profitieren vor allem einige exklusive Auktionshäuser.

Von Jochen Arntz

Es ist, als entdeckte man eine bessere Welt. Eine Welt, in der die Vergangenheit golden, die Gegenwart glänzend und die Zukunft rosig erscheint. Eine Welt, in der man mit alten Dingen neues Kapital schafft und in der Sammler und Liebhaber mit ihrer Leidenschaft kein Geld verlieren, sondern glauben, ein Vermögen verdienen zu können. Es geht um Kunst, im weitesten Sinne, um Auktionen und Unikate, doch in dieser Welt wird nicht mit Bildern oder Plastiken gehandelt. Hier werden alte Autos versteigert, und die Leute, die diese Welt bevölkern, trifft man bei Auktionen in Monaco oder London, in Pebble Beach in Kalifornien oder auf Amelia Island, einer Insel vor Florida. Und manchmal trifft man sie auch in Deutschland, im Ruhrgebiet, wenn das britische Auktionshaus Coys im Frühjahr auf der Oldtimermesse Techno Classica in Essen den Hammer fallen lässt.

Auktionen gelten als Fundgrube für Schnäppchenjäger. Man kann dort aber auch zu viel bezahlen: Laut Experteneinschätzung ist dieser 1973er Lamborghini Espada die 70.150 Euro nicht wert, die ein Kunde im Februar 2011 in Paris für den Wagen hingeblättert hat.

(Foto: dpa-tmn)

Es ist noch nicht so viele Jahre her, da waren Auto-Auktionen in Deutschland ein schräges Kaufvergnügen für Snobs und reiche Fans, doch das hat sich mit den derzeitigen Krisen deutlich verändert. Oldtimer sind Anlageobjekte geworden, versprechen sie doch deutlich höhere Renditen als Tagesgeld und oft sogar bessere Aussichten als Aktien. Zumindest dann, wenn man sich als Anleger die schönen Autos noch ein wenig schöner rechnet und die Kosten für Unterbringung und Pflege nicht ganz genau mit in die Rechnung aufnimmt. Und das tun viele, die lieber ein altes Auto in der Garage als ein Papier im Depot haben.

Die Märkte sind gut", sagt Michael Haag, der auf der Essener Messe das Londoner Auktionshaus Coys vertritt. Viel mehr muss er dazu auch nicht sagen, weil sich im Moment für diesen Optimismus kaum eine Einschränkung findet. Die Fachpresse berichtet Monat für Monat von Versteigerungspreisen auf Rekordhöhe, und die Auktionshäuser suchen in ganzseitigen Anzeigen Objekte zur Versteigerung. Das kanadisch-amerikanische Unternehmen "RM Auctions", eines der großen der Branche, versteigerte vergangenes Jahr nicht nur einen alten Porsche, den einst der Schauspieler Steve McQueen gefahren hatte, für weit mehr als eine Million Dollar - es erzielte 2011 überhaupt traumhafte Ergebnisse.

Nicht anders ging es Gooding, den Versteigerern aus Santa Monica, die Autos für insgesamt 131 Millionen Dollar unter den Hammer brachten. Zum Beispiel auch einen Ferrari 250 Testa Rossa. Er war mit gut 12,5 Millionen Euro das teuerste versteigerte Auto. In Essen, wo Coys alljährlich Ende März eine große Auktion veranstaltet, geht es um andere Summen. Doch ganz kleine sind es auch hier nicht, das zeigt schon ein Blick in den Katalog.

Lohnenswerte Beispiele

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