Neue Flugzeugsitze Stehsitz - ein Zukunftsentwurf?

"Das fühlt sich weniger komfortabel an als ich beim ersten Blick dachte", sagt auch Keith Rabin, Einkäufer einer amerikanischen Fluggesellschaft. Der Sitz weist nur gut 58 Zentimeter Abstand zum Vordermann auf, üblich sind heute 79 bis 81 Zentimeter. Trotzdem gibt es ein Tischchen zum Herunterklappen, das vielen Testpersonen fast vor der Brust hängt und nur ein Drittel so groß ist wie sonst. Der Bildschirm in der Rückenlehne leuchtet vielen irgendwo zwischen Hals und Kinnpartie entgegen.

Trotzdem preist der Hersteller das Sitzen in seinem Entwurf als "komfortable, dynamische, aufrechte und gesunde Position". Auf der Messe kamen sich viele darin eher vor wie festgeschnallt in einem Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest. Wichtigster Pluspunkt ist das geringe Gewicht - "nur ein Drittel des heute üblichen", betont Menoud, "das senkt den Verbrauch, schafft damit niedrigere Flugpreise und ist ein Vorschlag an die Airline-Branche, wie sie wieder Geld verdienen kann."

O'Learys Idee war es, in rund 250 Flugzeugen jeweils die letzten zehn Reihen durch 15 Reihen Stehsitze zu ersetzen und die Beförderung in dieser neuen Klasse extrem preisgünstig anzubieten. Doch bis eines Tages tatsächlich Billigflugpassagiere derart spartanisch befördert werden könnten, hätte jeder radikale Entwurf viele Hürden zu nehmen.

"Nach unserem Wissen hat bisher keine Fluggesellschaft einen Antrag auf die Einführung von Stehsitzen gestellt", heißt es bei der zuständigen Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln. "Stehsitze sind ohne Beispiel und es wäre sehr unwahrscheinlich, dass so etwas in naher Zukunft zugelassen werden würde", so ein EASA-Sprecher.

So oder so müssten vor einer kommerziellen Verwendung vielfältige Nachweise erbracht werden - etwa das vorgeschriebene Überstehen eines Aufpralls mit bis zu 16g und vor allem die Evakuierungstauglichkeit. Dass derart eng zusammengepferchte Fluggäste ihre Sitze im Notfall schnell verlassen können erscheint zumindest zweifelhaft.

Auch die Gesamtzahl der Passagiere darf nicht über jene Zahl hinausgehen, für die das Flugzeug überhaupt zugelassen ist. Daher hat der Einbau derartiger Billigsitze nur Sinn, wenn im Gegenzug vorn breitere Sessel installiert werden. Eine Boeing 737-800, wie sie Ryanair fliegt, könnte dann etwa 16 Business-Class-Sitze, 66 in normaler Economy- und 98 in Skyrider-Bestuhlung aufweisen.

Oder ein Betreiber könnte Flugzeughersteller bewegen, zusätzliche Nottüren einzubauen, wie Easyjet beim Airbus A319. "Solche neuartigen Sitze würden die Änderung der Zulassungsvorschriften voraussetzen", sagt die EASA.

"Die würden wir beantragen, wenn sich eine Airline für den Skyrider entscheidet", kündigt Menoud an.