Neue Ermittlungen Durchsuchung beim ADAC

Dem ADAC droht ein weiterer Skandal.

(Foto: dpa)
  • Wieder Vorwürfe gegen den ADAC: Laut einem Insider sollen unrechtmäßig Ausflüge, Abendprogramme und Geschenke an die Ehefrauen von Funktionären durch die einfachen Mitglieder finanziert worden sein.
  • Ein offizielles Ermittlungsverfahren wird eingeleitet.
  • Anfang April soll es eine Hausdurchsuchung in der Geschäftsstelle Nürnberg gegeben haben.
Von Bastian Obermayer und Uwe Ritzer

Der Tipp kam von einem Insider, offenbar anonym, und der Kern der Vorwürfe lautet: ADAC-Funktionäre lassen es sich und ihren Ehefrauen gut gehen, und zwar auf Kosten der einfachen Mitglieder - organisiert vom ADAC Nordbayern. Die wohl sehr detaillierten Hinweise auf möglicherweise unrechtmäßig finanzierte Ausflüge und Abendprogramme sowie Zuwendungen und Geschenke an Ehefrauen von Funktionären trudelten nach SZ-Informationen schon vor einem Jahr bei den Fahndern ein. Nach längerer Prüfung des Materials wurde nun ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet und sogar das Nürnberger Büro des ADAC Nordbayern durchsucht. Das Verfahren läuft gegen zwei Personen, darunter ist offenbar auch der Geschäftsführer des ADAC Nordbayern.

Wieder der ADAC, wieder ein Ermittlungsverfahren: Der Club kommt auch 2015 nicht aus den Schlagzeilen. Seit Anfang des Jahres untersuchen Fahnder, ob ein hochrangiger ADAC-Manager sich auf Kosten des Vereins bereichert hat. Jetzt also die Ehefrauen, die vom Ehrenamt oder der Position ihrer Männer profitiert haben sollen. Der Skandalverein. Genau dieses Image, das dem ADAC seit dem vergangenen Jahr wegen diverser Affären anhaftet, versucht der ADAC gerade loszuwerden, mit einer durchaus ambitionierten Reform. Dementsprechend genervt ist man auch in der Münchner Zentrale des Clubs.

Alle Regionalclubs sind betroffen

Nun könnte man die Sache vielleicht als Lokalposse abtun, wenn aus Ermittlerkreisen nicht zu hören wäre, dass es eben nicht nur um die regionalen Granden des Vereins gehe. Es habe sich um "Arbeitstagungen mit anderen Regionalclubs" gehandelt: Diese Information lässt alles in einem etwas anderen Licht erscheinen. Den Abgesandten dieser anderen Regionalclubs müsste ja bewusst gewesen sein, was sie an Zuwendungen für sich und ihre Frauen akzeptieren können - weil sie, selbst ADAC-Funktionäre, diese Regeln ja kennen müssen. Damit wären nicht nur der ADAC Nordbayern, sondern alle Regionalclubs betroffen, deren Funktionäre involviert sind.

All das ist allerdings im Konjunktiv formuliert. Denn noch ist nicht viel mehr bekannt, als dass es Anfang April eine Hausdurchsuchung in der Geschäftsstelle Nürnberg gab und dass die Ermittler auch einiges an Dokumenten mitgenommen haben, um sie zu prüfen. Auffällig ist aber, dass aus Ermittlerkreisen wiederholt zu hören ist, die Informationen des Tippgebers seien äußerst detailliert gewesen.

Solche Vorfälle seien nicht überraschend

Offiziell heißt es vom ADAC: Man unterstütze die Ermittler "vollumfänglich". Im Hintergrund erklären ranghohe Manager, wenn man mit heutigem Blick auf die alten Compliance-Strukturen schaue, seien derartige Vorfälle - so sie sich bewahrheiten würden - nicht sonderlich überraschend.

Der ADAC Nordbayern ist wohl der Regionalclub mit der höchsten Skandaldichte, und das beinahe schon traditionell. Schwere Sexismus-Vorwürfe einer langjährigen Sekretärin wurden nie richtig aufgearbeitet, und bis heute ist ungeklärt, wer in jenem Nürnberger ADAC-Büro vor einigen Jahren Abhörgeräte montiert hatte. Bislang konnte sich der Geschäftsführer des ADAC-Nordbayern allerdings trotz aller Affären im Amt halten.