Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Doch die Kfz-Industrie steht mit dem Rücken zur Wand. Die Liste der Versäumnisse ist lang - nicht zuletzt wegen der Sturheit der Manager und der sie unterstützenden Politik. Doch die eigentliche Schlüsselfrage ist eine gänzlich andere.
Es gibt einen Schlüssel, der den Weg zur privatesten, zur intimsten Welt eröffnet, den zur eigenen Wohnung. Der andere Schlüssel erschließt das Zwischenreich zur Welt der anderen, eine mobile, rundum mit Fenstern versehene Zelle, die dem Einsitzenden ein Gefühl der Geborgenheit und der Distanz gibt, selbst dann noch, wenn er mit Tausenden im Stau steckt.
Mit dem Autoschlüssel begann für die Deutschen das Wirtschaftswunder. (© Foto: dpa)
Anzeige
Mit dem Autoschlüssel begann für die Deutschen das Wirtschaftswunder, deshalb singen die Alten noch immer das Hohe Lied auf ein buckliges, unbequemes Gefährt mit 30 Pferdestärken. Als Käfer auf Käfer vom Band rollte, war die bayerische Bevölkerung noch ganz gut in der Landwirtschaft beschäftigt. Die "Schlüsselbranchen" der Nation waren damals die Textilverarbeitung und die Bergbau-Industrie.
Man weiß, was aus ihnen geworden ist, auch aus den Hüttenbetrieben, die ein Strukturwandel nach dem anderen, wenn schon nicht hinweggefegt, dann jedenfalls in einen verlustreichen globalen Wettbewerb geworfen hat. Seitdem gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch eine Schlüsselindustrie - Gutes aus deutschen Landen, für das Marken wie BMW und Mercedes, Porsche und Audi, Volkswagen, Opel und Ford stehen.
Wenn das stimmen würde, wäre es schlecht bestellt um Deutschland. Erstens, weil es in einer praktisch alle Zweige des verarbeitenden Gewerbes erfassenden Weltfinanzkrise vieler neuer Schlüssel bedarf. Zweitens, weil sich die deutschen Hersteller wie sonst nur noch die amerikanische Konkurrenz just auf jene teuren Modelle spezialisierten, die in Krisenzeiten schwer zu verkaufen sind.
Gut, dass es die Schlüsselindustrie gar nicht gibt. Im Maschinenbau waren zuletzt nicht weniger Arbeiter beschäftigt, es handelt sich um eine hochspezialisierte, stark exportorientierte Sparte. Zuletzt - das war vor der Krise, die natürlich auch diese Branche erfasst hat. Aber sie kann hoffen, sich nach einer Durststrecke wieder aufzurappeln, weil sie im Gegensatz zum Kfz-Gewerbe nicht von einer in vieler Hinsicht begrenzten Form der Mobilität abhängig ist.
Maschinen aller Art stehen am Anfang einer Fertigungskette für Autos und Windräder, für Fahrräder und Solarmodule, Baukräne und Flaschenabfüll-Anlagen. Sie stehen noch für vieles mehr, aber bei weitem nicht so im Fokus der Politik, weil sich die Fertigung auf viele mittelständische Unternehmen verteilt.
Mit Blindheit geschlagen
Eine derart breite Palette täte der deutschen Kraftfahrzeug-Industrie gut, dann könnte sie mit mehr Hoffnung in die Zukunft blicken. Autos braucht die Welt noch lange, sie sind für viele Zwecke unersetzlich. Das gilt sowohl für die nur mit Straßen erschlossenen Gebiete der Erde, als auch für die ländlichen Gebiete dicht besiedelter Industriestaaten.
Die Zeit, in der auf ein so flexibel einsetzbares Mittel der Mobilität verzichtet werden kann, ist heute nicht absehbar. Mit Blindheit müsste aber geschlagen sein, wer sich in der Phase immer knapperer Ölreserven dem Strukturwandel der Branche verschließt, während die Ballungsgebiete sogar in den Schwellenländern schon am Individualverkehr zu ersticken drohen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wer die Leidtragenden der Entwicklungen sind.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Saab wird zur Belastung für Opel Erster "Dominostein" der Autokrise 20.02.2009
- Saab Große Klappe 20.02.2009
- Höhere Staatsgarantien notwendig Opel geht das Geld aus 20.02.2009
- Kurzarbeit Die Krise kommt bei Audi an 19.02.2009
- Jürgen Rüttgers und Opel Populismus mit Linksdrall 19.02.2009
Reaktorsicherheit
Supersache! Und solche Buslinien gibt es schon (zu wenige!). Meine Tochter ist gestern damit von Hamburg nach Dresden gefahren, mit 5 Minuten Umsteigezeit in Berlin - und es hat geklappt. Schließlich rollte der Bus auf die Minute pünktlich in Dresden ein. Man stelle sich das mal bei der Bahn vor ...
Das Foto fuer ihren Artikel einige VW 1302 ( 44 Ps ) ohne Kat,mit einem Verbrauch von ca. 10-12 Litern bei max. 130 Km/h, ist so aktuell wie ihr Bericht. Ich fragte mich beim lesen,was will der Autor mir damit sagen ? Autofahren ( Autobauen )ist schaedlich?Das sollen in Zukunft die Entwicklungslaender machen. Wir sollen Umsteigen auf das Pferd ( Drahtesel ) oder uns neues Schuhwerk kaufen ( aus China ). Die Entwicklung,in der Befoerderung geht weiter,nicht nur Auto,auch andere Verkehrstraeger sind auf dem Vormarsch, oder moechte der Autor auch zurueck zur Kohlebefeuerten Dampflock / ihr Wirkungsgrad lag etwa bei 11%. Die Wasserstoff Technologien,stehen erst am Anfang einer neuen Entwicklung,fuer Bevoerderung ( Batterien. u.s.w. ) Benzin und Diesel aus Erdoel,werden nach und nach verschwinden.
...ist das größte Unheil unserer Zeit, die nichts reif werden läßt und so immer von der Hand in den Mund lebt. Und was sind im Zeittakt der Evolution schon 185 Jahre - genau der Zeitraum, seit dem Goethe dieses Wort in die Welt gesetzt hat?
Zeit sei Geld, und Gier ist eben menschlich. Und doch ist es eine deutsche Krankheit, der Raserei so viel Raum gegeben zu geben. Egal ob auf der Straße oder auf der Skipiste.
Erst der Abschied vom Raszwang wird ökologischere Autos ermöglichen. Und wenn sie Glück haben oder umdenken können, gelingt es den Autobauern hierzulande vielleicht, auch in Zukunft von Mobilität zu leben.
Nein, es liegt nicht an der Autolobby, es ist die Deutsche Bahn, vielmehr ein Gesetz aus Neunzehnhundet-Blumenkohl zum Vorteil der Eisenbahn, welches den Linien-Fernverkehr mit Bussen untersagt.
Dieser Eindruck muss entstehen, wenn man manche Beiträge hier liest.
Der Anteil an Hybrid-Fahrzeugen beträgt bei Toyota (Marktführer!) 4 -in Worten- vier Prozent !!! Also alle, die hier so überheblich schreiben, fahren einen - nicht mehr!
Paging