Alexander Berg, Leiter der Dekra-Unfallforschung in Stuttgart, rechnet auch aus einem anderen Grund mit einer langsamen Entwicklung.

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So sei die Airbag-Technologie bei Motorrädern weitaus komplizierter umzusetzen als im Auto. Dort sitzen die Insassen meist in ähnlichen Positionen.

Ein Motorradfahrer sitze jedoch mal mehr, mal weniger aufrecht auf seiner Maschine. Die Airbag-Entwickler müssten zum Beispiel ausschließen, dass ein vornüber gebeugter Fahrer vom Airbag "angeschossen" und vom Motorrad geworfen wird.

Berg hält die Technologie daher vor allem bei Tourenmotorrädern für geeignet: "Man braucht Platz zwischen den Armen und eine aufrechte Sitzhaltung. Für Rennmaschinen wird es wahrscheinlich nie einen Airbag geben."

Ifz-Leiter Kuschefski verweist auf ähnliche Probleme bei den so genannten Naked Bikes ohne Verkleidung: "Ein Airbag entfaltet sich nur im oberen Bereich des Lenkers. Bei einem Crash würde sich der Fahrer unten regelrecht um den Lenker wickeln."

Zudem müssten die Tanks vieler Motorräder anders konstruiert werden, damit sich der Airbag unterbringen lässt. Nicht alle Maschinen böten ähnlich gute Voraussetzungen wie der große Luxus-Tourer von Honda. Möglicherweise ließen sich diese Probleme mit anderen Airbag-Konstruktionen umgehen.

Gute Überlebenschancen

Die Dekra hatte das bereits mit einem Airbag-Prototypen für kleine Motorräder versucht. Anders als beim Honda-System, das den Fahrer mit einem großen Luftkissen zurückhält, wählten die Unfallforscher laut Alexander Berg einen anderen Ansatz: Ein kleineres Luftkissen sollte beim Aufprall zwar auch möglichst viel Energie abbauen. Gleichzeitig sollte es aber wie eine Rampe dienen, über die der Fahrer über das Autodach geleitet wird.

"Gewisse Belastungen haben Sie dabei zwar immer noch", sagt Berg. "Sie haben aber gute Chancen, das zu überleben." Schließlich wird damit vermieden, dass der Motorradfahrer mit dem Kopf gegen die verletzungskritische Dachkante prallt.

Neben dem Sicherheitsvorteil ziehen die Forscher aus den Airbag-Tests daher laut Berg auch folgende Erkenntnis: "Ein solches System ist nicht für jedes Motorrad das Maß aller Dinge. Daher tun sich die Hersteller auch so schwer, das in Serie zu bringen."

Airbag-Vorreiter Honda will die Technologie jedenfalls weiter verfolgen - macht die Vorgehensweise aber auch von der Marktakzeptanz abhängig, wie Honda-Sprecherin Kerstin Martens sagt. Damit dürfte es laut ifz-Leiter Kuschefski kein Problem geben: "Ich glaube schon, dass das angenommen wird. Wenn es auf dem Markt ist, dann wird es gekauft."

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(sueddeutsche.de/dpa/AP)