Mobilität der Zukunft Das vollautonome Auto bleibt eine Raketentechnologie

"Ein Berater mit 250 Euro Stundenlohn könnte mit 200 gewonnenen Stunden 50 000 Euro mehr Umsatz pro Jahr machen", rechnete Rupert Stadler auf dem Wiener Motorensymposium vor, "da entsteht schnell ein interessanter Business Case." Vor Mitte des nächsten Jahrzehnts rechnet aber auch der Audi-Chef nicht mit dem Einsatz eines derartigen Systems auf allen Strecken. Denn höhere Geschwindigkeiten machen das rollende Rechenzentrum noch teurer. Entsprechend zurückhaltend ist Ola Källenius: "Anfang des nächsten Jahrzehnts kommen die Robotertaxis. Nach zwei bis drei Entwicklungsgenerationen ist die Technologie reif für die Oberklasse", führte der Mercedes-Entwicklungsvorstand Anfang April auf dem VDA-Technikkongress in Berlin aus.

Das vollautonome Auto bleibt also eine Raketentechnologie. Nie zuvor war eine technische Entwicklung für die Straße so komplex und der Investitions- sowie Innovationsbedarf derart hoch. Die Plattform, die dieses Jahrhundert-Rennen gewinnt, könnte die gesamte Automobilwirtschaft umkrempeln. Das ist eine Bedrohung für alle Autohersteller, denn sie werden potenziell zu Zulieferern der Hardware degradiert.

Lohnt sich ein Autokauf künftig überhaupt noch?

Für markentreue Otto Normalverbraucher mag es ein Trost sein, dass sich die Fahrerassistenzsysteme im Windschatten der Super-Technologie schnell weiterentwickeln werden. Doch die entscheidende Frage bleibt, für wen sich der Autokauf künftig überhaupt noch lohnt. Wer will sich jahrelang an rückständige Hardware binden, während Robotaxis mit hoher Laufleistung relativ schnell ersetzt werden? Auch beim Smartphone geht es vielen Kunden eher um die Nutzung der jeweils modernsten Technik - und um Software-Updates im Monatsrhythmus.

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller glaubt ebenfalls an die autonomen Autos. Er will mehrere Milliarden Euro in eine entsprechende Technologie-Plattform stecken, die allen Konzernmarken zugutekommen soll. Auf dem Genfer Autosalon haben die Wolfsburger vor zwei Monaten die Studie Sedric vorgestellt. Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen solche Fahr-Container ohne Lenkrad und Pedale auf den Markt kommen. Wer fortschrittlich sein will, fährt also demnächst im (Robo-)Taxi durch die Stadt. "Bis zum Jahr 2035 könnten mehr als 12 Millionen vollautonome Fahrzeuge verkauft werden", sagte Matthias Müller in seiner Abschlussrede auf dem Wiener Motorensymposium. Allerdings ließ er die Zahl aus einer neuen Studie der Boston Consulting Group nicht unkommentiert: "Ich betone: Könnte. Ganz genau weiß das niemand."

Selbstfahrende Taxis kommen schon 2019

Sie gelten als die komplexesten Maschinen, die Menschen je gebaut haben. Trotzdem rollen schon bald die ersten Roboterautos auf den Straßen. Von Joachim Becker mehr...