Mobilität der Zukunft Das Ziel muss heißen: weniger Autos

Wenn die Politik nichts für einen grundlegenden Wandel der Mobilität macht, kommt der Verkehr vollständig zum Stillstand.

(Foto: dpa)

E-Autos födern oder nicht? Am wichtigsten ist: Das Verkehrssystem der Zukunft muss sich am Menschen, nicht am Auto ausrichten. London macht es vor.

Kommentar von Markus Balser

Wie die Wende auf Deutschlands Straßen kommt? Das neue Verkehrszeitalter ist nur einen 5000-Euro-Zuschuss pro Auto, mehr Ladesäulen und ein öffentliches Beschaffungsprogramm entfernt. So legen es die jüngsten Debatten um die Förderung der Elektromobilität nahe. Das Credo von Politik und Wirtschaft: Die Lösung für die deutsche Verkehrswende mag teuer und umstritten sein. Aber sie ist ganz nah.

Doch der Umbau des Mobilitätssektors bedeutet in Wahrheit viel mehr als den Wechsel des Betriebssystems vom Benzin hin zur Batterie. Er geht weit darüber hinaus. Er wird Städte binnen zweier Dekaden durch einen großteils geräusch- und abgasfreien Verkehr verändern. Er wird das Verhalten der Menschen mit neuen Formen des Individualverkehrs prägen. Und er wird der Wirtschaft ganz neue Angebote abverlangen. Es zeichnet sich ab: Die Mobilität steht vor einer Revolution, allenfalls vergleichbar mit jener Zeit, als erste Autos wie der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 Ende des 19. Jahrhunderts begannen, Fuhrwerke abzulösen.

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Urbanisierung schreitet unaufhaltsam voran

Wie schon bei der Energiewende wächst auch im Mobilitätssektor der Druck zu einem kompletten Systemwechsel. Mehr als eine Milliarde Autos rollen bereits über den Globus - gut 40 Millionen allein in Deutschland. Sie verstopfen Straßen und vernichten Rohstoffe. Sie verändern das Klima und bürden Städten mit Abgasen und Feinstaub gewaltige Probleme auf. In den nächsten Jahren werden die noch zunehmen. Lebt heute die Hälfte der Menschen in urbanen Zentren, werden es 2050 schon zwei Drittel sein - bei wachsender Weltbevölkerung. Chinas Smog-Metropolen führen vor Augen, wie Städte von morgen aussähen, würden auf ihren Straßen dann noch vor allem Autos mit fossilen Antrieben fahren.

Wie schon bei der Energiewende zeigt sich in Deutschland jedoch auch: Dem beginnenden Umbau fehlt der große politische Plan. Mit der Förderung von Elektroautos ist es ebenso wenig getan wie mit der Förderung von grünem Strom. Nötig ist ein neues Gesamtkonzept für die Mobilität im Land. Der Verkehr in den Städten kommt nur dann nicht zum Erliegen, wenn der Individualverkehr künftig besser mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr verzahnt wird. Wenn neue Mobilitätskonzepte wie Car-Sharing zur relevanten Größe werden. Das Ziel des Umbaus darf für die Politik nicht nur heißen: andere Autos. Es muss vor allem heißen: weniger Autos.

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Die Politik muss bald Antworten finden

Das Ringen um Elektroautoprämien macht klar: In Deutschland hat ein neuer Verteilungskampf um Finanzen, öffentliche Flächen und Vorfahrt begonnen. Die Politik muss bald Antworten auf drängende Fragen finden: Soll der Schienenverkehr vorrangiges Ziel bleiben, wenn Autos fast genauso umweltfreundlich sind? Dürfen Start-ups mit neuen digitalen Angeboten wie Uber verkrustete Verkehrsmärkte aufrütteln? Welches Straßennetz brauchen wir in Zukunft noch? Und wie lassen sich alternative Modelle wie Car-Sharing fördern?

Der große Wurf aber ist nicht in Sicht. Die Zuständigkeiten sind zersplittert. Straßenplanung, Nahverkehr, Parkraumverwaltung, Elektroauto-Infrastruktur - liegen nur selten in einer Hand. London macht vor, wie es gehen kann. Die Stadtbehörde Transport of London ist für Straßen, U-Bahnen und selbst das Eintreiben der City-Maut verantwortlich. Worum es bei einem solchen Zukunftskonzept in den Metropolen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wirklich gehen muss? Nötig ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel: vom auto- zum menschengerechten Verkehrssystem.

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