Der Kombi hat einen durchzugsstarken Sechszylinder

(SZ vom 17.07.1993) Die Deutschen entdecken ihre Lust am 'Laster'. Waren die biederen Kombis einst den Vertretern der Bäcker- und Malermeisterinnung vorbehalten, sitzt heute hinter dem Volant auch die Creme der deutschen Freizeit-Gesellschaft. Kombis sind in, der Markt boomt. Innerhalb von fünf Jahren stieg der Anteil von 13,3 Prozent auf 16,5 Prozent. In absoluten Verkaufszahlen ausgedrückt: 373 000 Zulassungen (1988) gegenüber nun 650 000 Einheiten im vergangenen Jahr - also nahezu das Doppelte. Besonders erfolgreich: Die Oberklasse in diesem Segment. Sie legte im Vergleichszeitraum gar um 116,7 Prozent zu. Entsprechend bemüht sich die Automobilindustrie, in diesem Bereich zu glänzen. Ob Audi oder BMW, Mercedes oder Lancia, Ford oder Opel - überall rollen Kombis vom Band. Jüngster im Bunde der Edel-Laster: Mitsubishis Sigma Kombi - er ist ein Exote unter den luxuriösen Transportern.

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Doch außergewöhnlich sind weniger seine Technik und Optik, ungewöhnlich ist vielmehr seine Herkunft. Schließlich verläßt der Sigma Kombi zehn Kilometer südlich von Adelaide das Werk und rühmt sich damit der erste echte Australier auf Deutschlands Straßen zu sein.

Bislang war Down Under, wie der Kontinent auf der anderen Seite der Erdkugel genannt wird, höchstens Weinliebhabern ein Begriff. Doch nun entdeckt die Alte Welt eine neue Stärke des großen Landes: den Automobilbau, dessen Vorzug die lange Lebensdauer der Fahrzeuge in Australien ist. Im Schnitt werden sie 17 Jahre alt, was bei dem doch geringen Anteil der befestigten Straßen von 35 Prozent am gesamten Streckennetz ganz offensichtlich auf die hohe Qualität der am fünften Kontinent eingesetzten Fahrzeuge schließen läßt.

Für Mitsubishi hat das Land der Koalas und Känguruhs durchaus schon Tradition, schließlich nahm bereits 1964 das Automobilwerk in Tonsley seinen Betrieb auf. Zwei Jahre später folgte die Produktionsstätte Lonsdale. Heute garantieren beide Werke rund 4800 Arbeitsplätze. In Lonsdale entstehen Motoren sowie Komponenten der Brems- und Einspritzanlage, im Industriepark Tonsley sind Preßwerk, Rohbau und Fertigmontage beheimatet. 300 neue Wagen verlassen täglich die Fertigungsstraßen.

Den Sigma Kombi entwickelte Mitsubishi Motors Australia (MMA) von der A- Säule an völlig neu. Heraus kam ein Luxus-Laster, der vergleichweise viel Auto für relativ wenig Geld bietet. Bereits die Basisversion (45 400 Mark) des 4,8 Meter langen Modells (fünf Zentimeter länger als die Limousine) verfügt über ABS, Servolenkung, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Alarmanlage, Dachreling (Dachlast 100 Kilogramm) und Motorantenne. Die Top-Version läßt sich Mitsubishi mit 51 400 Mark bezahlen. Im Gegenzug liefern die Japaner noch eine Vierstufen- Automatik, ein elektrisches Glasschiebe- Hebedach und eine Klimaanlage. Als Extra werden noch ein Gepäcknetz (80 Mark) sowie ein Trenn-Netz für 350 Mark angeboten. Die Full-Size-Airbags für Fahrer und Beifahrer werden allerdings erst im kommenden Jahr nachgeliefert.

Seit Juni parkt der Kombi bei den Händlern. Optisch auf zeitlose Eleganz getrimmt, lockt die Kombi-Version des Sigma eher mit inneren Werten. Dem komfortablen Cockpit mit bequemen Gestühl dank Lendenwirbelstütze schließt sich eine topfebene Ladefläche (extrem niedrige Ladekante) mit einem Fassungsvermögen 428 Litern an. Nach dem Umlegen der Rückbank vergrößert sich das Volumen auf 737 Liter (Fensterhöhe). Praktisch: Die Rücksitzlehnen lassen sich ohne Abnehmen der Kopfstützen umklappen sowie zum Anpassen des Laderaums in verschiedenen Winkeln arretieren. Für diejenigen, denen die Ladekapazität nicht ausreicht: Der Sigma darf, wenn es nötig ist, noch bis zu 1,8 Tonnen an den Haken nehmen.

Und auch dann geht ihm nicht die Puste aus. Schließlich wird der 'Aussi' von einem Dreiliter-V6-Motor angetrieben. Ein durchzugsstarkes, wie auch extrem leises Aggregat, daß dank der 125 kW (170 PS) eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h schafft. Dabei bleibt der Verbrauch mit 9,9 Litern auf 100 Kilometer im Drittelmix noch recht moderat.

Ob Mitsubishis Känguruh zu ähnlich weiten (Verkaufs-)Sprüngen ansetzt wie das Original, werden die nächsten Monate zeigen. Die Voraussetzungen jedenfalls sind da.

Von Ina Reckziegel

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