Mit 66 Jahren ... Fakten zum Fahren im Alter

Wie viele Senioren besitzen überhaupt einen Führerschein? Und ist die Anzahl der Unfälle mit Beiteiligung älterer Menschen wirklich so hoch? Spekulationen gibt es viele - hier erfahren Sie die wichtigsten Fakten über Senioren im Straßenverkehr.

Von Petra Steinberger

In Deutschland besitzen schon heute mehr als zwei Drittel der über 65-Jährigen einen Führerschein; zehn Millionen der 54 Millionen Führerscheinbesitzer sind über 65. Knapp zwei Millionen sind älter als 75 Jahre. Und mehr als 250.000 Autofahrer sind älter als 85 Jahre. Tendenz steigend: Bis 2025 wird laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW der Anteil der Führerscheinbesitzer bei fast 100 Prozent liegen. Der Hauptgrund: Die gewaltige Gruppe der Babyboomer kommt langsam ins fortgeschrittene Alter.

Wie genau die Unfallzahlen ausgelegt werden, ist Ansichtssache. Autofahrer zwischen 65 und 75 Jahren kommen in der Unfallstatistik besser weg als Autofahrer zwischen 18 und 24. Und obwohl sie heute 21 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind sie laut ADAC nur für 14 Prozent der Unfälle mit Personenschaden verantwortlich. Aber ältere Menschen fahren auch weniger und kürzere Wege. Und die Zahl der von ihnen verursachten Unfälle steigt - zwischen 2001 und 2011 um immerhin fast 32 Prozent an.

Wenn Senioren Unfälle verursachen, dann sind die Hauptursachen laut Statistik die Missachtung der Vorfahrt, Lenkfehler, Abbiegefehler und Abstandsfehler. Eine Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) hat festgestellt, dass vom 75. Lebensjahr an die Unfallhäufigkeit überproportional zunimmt - um 45 Prozent steigt das Unfallrisiko dann im Vergleich zu den jüngeren Senioren. Fahrfehler nehmen dann zu, komplexe Situationen werden schlechter eingeschätzt. Die Hauptursachen, wenn Senioren Unfälle verursachen, sind: Missachtung der Vorfahrt, Lenkfehler, Unfälle beim Abbiegen und Einparken, Abstandsfehler. Die meisten Unfälle mit Senioren passieren übrigens am Montagmorgen.

In den Niederlanden müssen Autofahrer ab 70 alle fünf Jahre zum Gesundheitscheck, Schweden, Briten und Griechen alle drei Jahre. In Spanien gelten noch härtere Regeln: Spanische Autofahrer müssen ab 45 alle zehn Jahre einen Test absolvieren, ab 70 alle zwei. In der Schweiz müssen Senioren alle zwei Jahre zum Test beim Hausarzt einen Fahrtauglichkeitstest vorlegen. In Dänemark macht man mit 70, mit 74 und dann alle zwei Jahre den Test, in Frankreich ab 65 alle zwei Jahre und ab 75 jährlich. Italiener testen müssenItalien schickt seine Autofahrer ab dem elften Jahr des Führerscheinbesitzes alle zehn Jahre zum amtsärztlichen Fahrtüchtigkeitstest,, ab dem 51. Lebensjahr alle fünf und ab 65 alle zwei Jahre zum Arzttest. Luxemburger müssen ab ihrem 50. Lebensjahr alle zehn Jahre ihre Fahrtauglichkeit beweisen unter Beweis stellen, ab 70 alle drei Jahre, ab 80 jedes Jahr.

Laut einer Studie der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen Forsa wären vier Fünftel, also 82 Prozent der befragten Senioren bereit, auf ihren Führerschein zu verzichten, wenn sie merken würden, dass sie ihr Fahrzeug nicht mehr sicher beherrschen; immerhin 67 Prozent würden das tun, wenn ihnen ihr Arzt dazu raten würde. In der Realität allerdings spricht nur jeder zehnte ältere Autofahrer seinen Arzt auf das Thema "Gesundheit am Steuer" an. Und nur 46 Prozent würden auf Freunde oder Familie hören, wenn sie von diesen auf ihre Fahrtüchtigkeit hingewiesen würden. <QM>