Mit dem Lkw durch Deutschland Truck von allen Seiten

Als Kapitän der Autobahn im 40-Tonner von München nach Hamburg: eine Fahrt im Selbstversuch.

Von Jörg Reichle

Hinter Kassel ist die Welt zu Ende. Wie aus dem Nichts flammen Bremslichter auf, dann steht alles. Kilometerlang. Nach 30 Minuten Stillstand geht es im Kriechgang weiter. Der MAN zwängt sich durch Baustellen in Serie, links und rechts der zwölf Räder bleiben nicht mehr als 15, 20 Zentimeter Straße. Ein Goliath im Zwergenreich: drei Meter hoch, 16,33 Meter lang, das sind etwa vier Golf hintereinander.

2,6 Millionen Lkw sind in Deutschland zugelassen

So ein Riesending zu fahren braucht Augenmaß. Und Nerven. Und Erfahrung. Brummifahrer haben trotzdem kein gutes Image in Deutschland. Blockieren mit Überholmanövern kilometerlang die Bahn. Bremsen die freie Fahrt der freien Bürger.

Wir wollten deshalb wissen, wie das ist, einmal wie die da oben durch Deutschland zu karren. Als Goliath unter Goliaths. Truckerromantik im Kopf und festes Schuhwerk an den Beinen. Muscle Shirt, Jeans und Clogs, leichte Mädchen, schweres Essen. So stellt man sich landläufig ja den Alltag der Fernfahrer vor. Und ansonsten Kilometer schrubben. Endlos. Einmal Deutschland und zurück. Oder über den Brenner bis Rom oder Kalabrien. Oder auf den Balkan. Oder zu den Griechen. Oder, wie wir, von München nach Hamburg. Mit 26 Tonnen Kies im Rücken.

Deutschland, Brummi-Land. Zigtausende Lastzüge rollen täglich über die Autobahnen, Rad an Rad, Tonne an Tonne. Manchmal 20, 30 Kilometer Windschattenfahren. "Rosenmehl" hinter "Schenker Logistic" hinter "Thermo-Express". Oder auch: "Trans Birdal, Istanbul/Turkey". Bis 2050, das sagen die Prognosen, wird sich der Güterverkehr in Deutschland verdoppeln. Am 1. Januar 2007 waren in Deutschland 2,6 Millionen Lkw zugelassen. Bis September kamen noch einmal 200.581 dazu, das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr.