Mit dem Auto in den Urlaub Wo Sünden teuer werden

Wer im Osterurlaub im Ausland gegen Verkehrsregeln verstößt, muss mit harten Strafen rechnen. Vor allem Alkohol am Steuer und Geschwindigkeitsübertretungen sind drastisch teurer als in Deutschland. Doch jedes Land hat eigene Besonderheiten.

Von Andreas Jalsovec

Die Warnweste in Österreich ist so eine Besonderheit: Wer sie auf der Urlaubsfahrt nicht im Auto hat und kontrolliert wird, zahlt mindestens 14 Euro. Oder die berüchtigten City-Maut-Zonen in einigen italienischen Städten: Dort dürfen nur registrierte Fahrzeuge einfahren. Wer das nicht mitkriegt und trotzdem durch die Altstadt kurvt, legt so um die 100 Euro hin.

Drastische Maßnahmen gegen Verkehrssünder haben Tradition: Ein Verkehrspolizist sanktioniert im Jahr 1938 einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung durch das Luftablassen aus den Reifen.

(Foto: Knorr + Hirth)

Wenn an diesem Wochenende Tausende deutsche Autofahrer auf ihrem Weg in die Osterferien im Stau stehen, dann sollten sie die Gelegenheit nutzen und sich von ihrem Beifahrer noch einmal die Verkehrsregeln des Urlaubslandes nahebringen lassen. Denn in den meisten Ländern gibt es Vorschriften, die von den deutschen abweichen. Und Verstöße dagegen werden mit harten Strafen belegt: In nahezu allen EU-Ländern seien zuletzt die Bußgelder für Verkehrsdelikte verschärft worden, heißt es beim Automobilclub ADAC. Hintergrund ist das Ziel der EU, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Schärfere Strafen sind das gängige Mittel, um das zu erreichen. "Sie sollen die Verkehrsteilnehmer von Verstößen abschrecken", meint Michael Nissen, Leiter internationales Recht beim ADAC.

Alkohol am Steuer ist im Ausland deutlich teurer als in Deutschland

Das gilt besonders für Alkohol am Steuer: Wer etwa in Dänemark über der 0,5-Promillegrenze liegt, zahlt mindestens ein Nettomonatsgehalt. Ähnlich teuer ist es in Schweden. "Dort kann man für Verstöße sogar durchaus im Gefängnis landen", meint Jurist Nissen. Ebenso in Spanien: Bei 1,2 Promille und 60 Stundenkilometern zu schnell droht Haft. Wer in Italien mit mehr als 1,5 Promille erwischt wird, kann seinem Fahrzeug gleich ganz Lebewohl sagen. Die Polizei zieht es ein und enteignet es, sofern es dem Fahrer selbst gehört. Anschließend wird es zwangsversteigert.

Teuer werden auch Tempoverstöße. So haben etwa die Niederlande ihre Bußgelder für zu schnelles Fahren deutlich angehoben. Wer 20 km/h drüber liegt, zahlt 155 Euro. Bei 50 Stundenkilometern sind es 510 Euro. In Frankreich werden dafür 1500 Euro fällig, in Österreich sogar bis 2180 Euro. Äußerst genau nehmen es die Schweizer mit dem Tempolimit. "Schon bei kleinsten Überschreitungen sind die rigoros", weiß Petra Schmucker, Juristin beim Automobilclub von Deutschland (AvD). Wer nur einen Stundenkilometer über der Geschwindigkeitsgrenze liegt zahlt: inner- und außerorts 40 Euro, auf Autobahnen 20 Euro. Außerdem zieht die Schweizer Polizei GPS-Geräte, die im Auto vor mobilen oder fest installierten Radarfallen warnen, sofort ein.

Allerdings tun sich die Eidgenossen anschließend schwer, die fälligen Bußgelder bei deutschen Autofahrern einzutreiben, die das Land schon wieder verlassen haben. Zwar übermitteln deutsche Ämter die Adressen der Verkehrssünder in die Schweiz. Beim Eintreiben hilft der deutsche Staat aber nicht.

Grenzüberschreitende Bußgeldbescheide in der EU

Anders dagegen innerhalb der EU: Dort können die Bußgeldbescheide seit 2010 grenzüberschreitend vollstreckt werden. Und das passiert auch: "Die Vollstreckung funktioniert mittlerweile", berichtet AvD-Juristin Schmucker. Die Vollstreckungswelle rolle insbesondere nach den Ferien, ergänzt ADAC-Mann Nissen: "Es kann keiner darauf hoffen, dass er vergessen wird." Vor allem die niederländischen Behörden seien sehr aktiv. Eingetrieben werden aber nur Strafen ab 70 Euro. Ein Punkteverstoß im Ausland hat in Deutschland allerdings keine Folgen. Ebenso wenig wie ein Führerscheinentzug: Hierzulande darf man dann trotzdem weiter ans Steuer.

Nichts desto trotz raten die Experten dazu, die besonderen Verkehrsregeln im jeweiligen Urlaubsland vor Reiseantritt noch einmal gründlich zu studieren. Etwa, dass Autofahrer im Stau in Österreich seit Jahresanfang eine Gasse für Rettungsfahrzeuge bilden müssen. Bußgeld bei Verstoß: bis 2180 Euro. Oder dass in Ungarn die Polizei ein falschparkendes Auto so lange mit Parkkrallen festsetzt, bis der Sünder die Strafe gezahlt hat. Kostenpunkt: bis zu 110 Euro. Nicht zu empfehlen ist auch, aus Spanien als Urlaubssouvenir ein Verkehrsschild mitzunehmen. Dafür können einen die Behörden mindestens zu einem sozialen Dienst verpflichten - im Extremfall werden bis zu zwei Jahre Gefängnis fällig.