Microcars Die Microcar-Zukunft: spartanisch und nervenaufreibend?

Im Mittelmeerraum erstaunte solch einen Cityfloh schon vor 75 Jahren die automobile Welt: Der Fiat 500, der 1936 debütierte, war wenig mehr als ein überdachter Motorroller. Bleche dünn wie ein Pizzaboden und lärmende Motörchen waren die Markenzeichen von Italiens ersten Volkswagen. Von der röhrenden Blechkugel liefen bis 1976 mehr als 3,7 Millionen Exemplare vom Band.

Diesen Verkaufserfolg aber allein mit bewundernswerter Leidensfähigkeit der Kundschaft zu erklären, wäre unfair. Der Cinquecento dann, Jahrgang 1957 und rund 3000 Mark teuer, hatte feststehende Seitenscheiben, lediglich die kleinen Dreiecksfenster ließen sich öffnen - bei mediterranen Temperaturen drohte nicht nur dem Zweizylinder, sondern auch den Passagieren der Hitzekollaps.

In der aufpreispflichtigen Normale-Version gab es später zwar Fensterkurbeln. Aber trotzdem waren simple Dinge wie dichte Türen, beschlagfreie Scheiben und eine funktionierende Heizung weder für Geld noch gute Worte zu haben. Ganz zu schweigen von einer zuverlässigen Bordelektronik, standfesten Bremsen oder einem passiven Insassenschutz. Das Billigauto bot nicht mehr als karge Einstiegsmobilität. Müssen wir uns die jetzt eingeläutete Microcar-Zukunft ähnlich spartanisch und nervenaufreibend vorstellen?

Problem ist auch, dass das Sicherheitsbewusstsein enorm gestiegen ist. Beim ersten Crashtest eines Fiat Seicento kollabierte noch vor wenigen Jahren die Fahrgastzelle, die Absatzzahlen brachen ein. Ohne Airbag krachte der Dummy kaum gebremst ins Lenkrad - die Folgen im Ernstfall wären fatal gewesen.

Ultra-Minis verhalten sich bei Unfällen auch heute noch kritischer als Autos mit längeren Knautschzonen. Dieses Problem kennen Mercedes-Entwickler seit Jahrzehnten. Schon 1972 planten sie einen 2,50 Meter kurzen Zweisitzer für Ballungsräume. Doch die Sicherheitsexperten winkten bei dem Stadtknirps ab. Zwei

Jahrzehnte später zerschellte auch Daimlers und Hayeks Idee eines Swatch-Mobils im Crashlabor. Die Mehrkosten des Elektroantriebs sollten beim Karosseriebau eingespart werden. Doch erst mit dem Schleuderschutz ESP, einer extrem harten Fahrgastzelle und einer Armada von Airbags bekam der Smart seine Sicherheitsprobleme in den Griff.

Die Kunst des Kleinstwagens besteht darin, mit sicherer Basismobilität Geld zu verdienen. Wie man so einen Cityflitzer auch noch sexy machen kann, zeigt das Beispiel Mini. Das Urmeter moderner Kleinwagen verblüffte 1959 mit einem Maximum an Platz auf kleinstem Raum sowie durch den quer eingebauten Motor und Frontantrieb. Heute sind fast alle kompakten Fahrzeuge nach diesem platzsparenden Muster gebaut.