Mercedes-Benz CLK Cabriolet Gefragte Offenheit

Das große Cabrio hat jetzt schon monatelange Lieferfristen

(SZ vom 16.05.1998) Was Daimler zur Zeit auch anfaßt - es wird ein Erfolg, ist man versucht, nach dem Megadeal der vergangenen Woche zu sagen. Die Geschäfte von Mercedes-Benz laufen prächtig, auf viele Modelle müssen die Kunden lange warten. Das gilt auch für das neueste Geschöpf mit dem Stern, obwohl es nur wenige Fans gesehen und noch weniger gefahren haben. Das CLK Cabriolet rollt am 20. Juni zu den Händlern. Damit wird aus dem Open-Air-Duo wieder ein Trio, da Mercedes-Fans nach dem Auslaufen des Cabriolets der alten E-Klasse nur im kleinen SLK-Roadster und im großen SL Sonne pur genießen konnten.

Technisch basiert das CLK Cabrio auf der C-Klasse - praktisch alles, was man nicht direkt sieht, wurde aus dem Großserienmodell übernommen. Optisch ist die Verwandschaft zum seit einem Jahr erhältlichen CLK Coupé unübersehbar. Mit der Stoffmütze wirkt das Cabriolet aber noch eine Spur sportiver - und wenn Licht und Luft von oben ungehindert in den Innenraum strömen dürfen, fühlt man sich in der noblen Umgebung auf Anhieb wohl. Vier Personen bietet das CLK Cabrio Platz, im Fond finden sich Einzelsitze statt einer durchgehenden Rückbank. Auch bei geschlossenem Verdeck ist das Raumgefühl sehr gut.

Halbautomatisches Verdeck

Das CLK Cabrio wird bei Karmann in Osnabrück gebaut. Der Karosserie- und Cabriospezialist hat auch bei der Entwicklung des Autos mitgewirkt. Der dynamischen, eigenständigen Formensprache merkt man an, daß gleich von Anfang an auch eine Cabrio-Version im CLK-Lastenheft stand - die Zeiten, in denen man einem Auto einfach das Dach abschnitt und es dann als Cabrio verkaufte, sind bei Mercedes-Benz vorbei. Das Verdeck läßt sich halbautomatisch öffnen. Wenn der zentrale Drehgriff manuell entriegelt worden ist, muß das Verdeck noch ein kleines Stück nach oben gedrückt werden, bis elektrische und hydraulische Helfer das Zurückklappen und das Versenken im Verdeckkasten übernehmen. Diese spezielle Übertotpunkt-Kinematik spielt ihre Vorteile bei geschlossenem Dach aus: Die Stoffhaut ist - schlicht gesagt - so straff gespannt, damit weniger Windgeräusche die Passagiere belästigen. Bei einer ersten, kurzen Begegnung stellte sich heraus, daß dieses Vorhaben den Mercedes-Ingenieuren vorbildlich gelungen ist. Drei Motorisierungen stehen für das CLK Cabrio zur Auswahl, zwei Vier- und ein Sechszylinder. Aber es wird wohl nicht lange dauern, bis ein Tuner einen Achtzylindermotor unter der Haube verstauen wird. Hier die wichtigsten technischen Daten:

CLK 200: 2,0-Liter-Vierzylindermotor, 100 kW (136 PS) Leistung, Höchstgeschwindigkeit 204 km/h, Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 12,0 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 9,4 Liter Super auf 100 Kilometer.

CLK 230 Kompressor: 2,3-Liter-Vierzylindermotor, 142 kW (193 PS) Leistung, Vmax 230 km/h, Spurt in 8,8 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 10,1 Liter.

CLK 320: 3,2-Liter-V6-Motor, 160 kW (218 PS) Leistung, Vmax 236 km/h, Spurt in 8,3 Sekunden, Verbrauch 10,9 Liter.

Auch der Kleine ist groß genug

Mehr als die Hälfte aller CLK Cabrios werden nach Aussage der Marketing-Experten in Deutschland mit der Basismotorisierung geordert werden. Und das ist keine schlechte Wahl. Zwar will das Aggregat häufiger geschaltet werden, weil das CLK Cabrio mit 1,6 bis 1,7 Tonnen nicht gerade zu den Leichtgewichten gehört - hier fordert vor allem die verstärkte Bodengruppe ihren Tribut. Aber die Ingenieure haben es geschafft, einen sehr verwindungssteifen Wagen auf die Räder zu stellen, der auch auf schlechten Straßen ein gerüttelt Maß an Solidität verspüren läßt. Mit dem großen Sechszylinder läßt es sich mit dem Cabrio wunderbar gleiten - aber mit einigen Extraausstattungen überschreitet ein solcher Edel-CLK schnell die 100 000-Mark-Grenze.

Das Basismodell kostet 68 208 Mark, die Kompressor-Variante 75 864 Mark und der Sechszylinder 90 596 Mark. Trotzdem ist die erste Jahresproduktion von 11 000 Fahrzeugen schon ausverkauft, die Lieferzeit beträgt beinahe schon ein Jahr. 23 000 CLK Cabrios sollen nächstes Jahr vom Band laufen, und die Stuttgarter denken darüber nach, wie sich diese Zahl noch steigern läßt. Denn wer will auf ein so nobles Gefährt ewig warten - wo der Sommer bei uns so kurz ist.

Von Otto Fritscher