Maroder Autohersteller in Schweden Es geht auch um Standortpolitik

Zu Saabs wichtigsten Gläubigern zählen der schwedische Staat und die Europäische Investitionsbank. Außerdem bekommen allein in Schweden 75 Zulieferbetriebe noch Geld von dem Autobauer. Auch diese Gläubiger würden Saab gerne als Ganzes erhalten: Bei dem Insolvenzverfahren, einem der größten der schwedischen Wirtschaftsgeschichte, geht es nicht nur um unbezahlte Rechnungen, sondern auch um Standortpolitik. "Saab ist ein Innovationszentrum, mit Bedeutung für die ganze Branche", erläutert Fredrik Sidahl, Geschäftsführer des Verbands der schwedischen Zulieferbetriebe.

Das Firmenlogo von Saab auf der Heckklappe eines älteren Saab 900.

(Foto: dpa)

Schwieriger als die Einigung auf einen Kaufpreis dürfte darum bei den Verhandlungen die Frage der Lizenzrechte sein. Dem ehemaligen Mutterkonzern General Motors (GM) gehören noch Technologien, die für die Herstellung der aktuellen Saab-Modelle benötigt werden. Sie an einen ausländischen Konkurrenten abzutreten, hat GM mehrfach abgelehnt. Daran scheiterte bereits Victor Muller.

Youngman-Chef Pang skizziert nun im Interview mit Svenska Dagbladet einen Ausweg: Nach der Abspaltung von GM hatte man in Trollhättan mit der Entwicklung einer eigenen, neuen Produktionsplattform begonnen. Das Projekt mit Namen "Phoenix" ist zwar nur halbfertig. Aber Youngman-Chef Pang sagt, mit seiner Millioneninvestition könne man in etwa zwei Jahren zu marktreifen Produkten ohne amerikanische Technik kommen. Das klingt riskant - Youngman müsste lange Zeit einen Standort finanzieren, der keine fertigen Autos herstellt.

Beobachter halten die Pläne der Chinesen dennoch für die beste unter vielen schlechten Chancen. "Youngman war als einziger Interessent sogar bei uns", sagt Fredrik Sidahl vom Zuliefererverband. "Und sie haben konkrete Fragen gestellt: Was könnt ihr liefern? Wie lange braucht ihr, um in Gang zu kommen?" Auf die Frage, ob jemals wieder Saab-Neuwagen in Schweden verkauft werden, zögert Sidahl mit der Antwort. "Es gibt eine Chance, aber die ist sehr klein."

Und sie werde täglich kleiner. Denn die Fachleute in Trollhättan, die man für einen Neuanfang bräuchte, haben längst begonnen, sich neue Jobs zu suchen. Man müsse jetzt schnell entscheiden, sagt Sidahl. Die Konkursverwalter versprachen, bis spätestens Ende des Monats werde klar sein, ob Saab als Ganzes oder in Stücken verkauft wird.