Manipulationsskandal beim ADAC Wer wusste wann was?

Karl Obermair, Vorsitzender der Geschäftsführung des ADAC, bei einer Pressekonferenz am Montag

Seit die Manipulation bei der Wahl zum Gelben Engel bekannt wurde, könnte das Krisenmanagement des ADAC kaum schlechter sein. Nun verstricken sich Peter Meyer und Karl Obermair in Widersprüche. Haben der Präsident und der Geschäftsführer doch von den frisierten Zahlen gewusst?

Von Bastian Obermayer und Uwe Ritzer

Zwei Tage nachdem der ADAC die Manipulation der Leserstimmen des Autopreises Gelber Engel eingestehen musste, verstrickt sich die ADAC-Spitze in zahlreiche Widersprüche. Im Kern geht es um die Frage: Was haben Geschäftsführer Karl Obermair und ADAC-Präsident Peter Meyer zum Zeitpunkt der Preisverleihung am vergangenen Donnerstag gewusst? Die Antwort interessiert auch die Autoindustrie - immerhin hatten Spitzenvertreter des ADAC den Konzernen vor der Preisverleihung versichert, alle Vorwürfe seien haltlos. Geschäftsführer Obermair hatte zudem in seiner Rede davon gesprochen, die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung sei "kompletter Unsinn".

Die Chronologie der Ereignisse beginnt am vorvergangenen Donnerstag, eine Woche vor Verleihung des Gelben Engels. An jenem 9. Januar konfrontierte die SZ den ADAC-Präsidenten und den Geschäftsführer mit ihrer Recherche. Daraufhin habe Obermair, so hatte er es der SZ am vergangenen Sonntag erklärt, sofort eine interne Revision veranlasst. Damit wären sechs Tage Zeit gewesen bis zur Preisverleihung, in denen die Manipulationsfrage hätte geklärt werden können. Eigentlich ausreichend Zeit für zwei Zahlen: das Abstimmungsergebnis online und die Coupons-Auswertung. Dennoch habe man die Frage nicht bis Donnerstag klären können, hatte Obermair behauptet. Der mittlerweile geschasste Medienchef Michael Ramstetter sei nicht greifbar gewesen und habe ständig Ausreden präsentiert.

Alle glaubten an Ramstetters Unschuld

Nun heißt es plötzlich, die interne Prüfung sei erst am Dienstag eingeleitet worden, nach Erscheinen des Zeitungstextes. Dann hätte man also vier Tage lang intern auf massive Vorwürfe nicht reagiert.

Jedenfalls, so hat es Obermair am Sonntag wiederholt versichert, seien alle "bis Freitag von der kompletten Unschuld" Ramstetters ausgegangen. Obermair bestritt in jenem Gespräch auch auf mehrmalige Nachfrage, am Donnerstag der Preisverleihung überhaupt mit Ramstetter über das Thema gesprochen zu haben. ADAC-Präsident Peter Meyer hingegen schickte der SZ am Dienstag eine Stellungnahme, in der er dezidiert erklärt, er habe am Donnerstag nach der Preisverleihung gemeinsam mit Obermair mit Ramstetter geredet. In diesem Gespräch habe es "widersprüchliche Aussagen" von Ramstetter gegeben, sodass sie "erstmals" Betrug witterten.

Meyer und Obermair widersprechen sich

Warum bestritt Obermair das Gespräch, das inzwischen offiziell ist? Weil dann der Verdacht naheläge, er sei doch nicht ganz so ahnungslos gewesen bei seiner Rede?

Ein ADAC-Sprecher wollte dazu am Dienstag keine Stellung nehmen. Es mehren sich aber die Indizien, dass nicht allein Ramstetter beschlossen hatte, die Preisverleihung durchzuziehen. Auch die oberste ADAC-Führung schob eine Woche lang ernste Hinweise zur Seite - um sich dann völlig überrascht zu geben. All das spricht für die Version, die schon zwei Tage vor der Preisverleihung im ADAC-Hochhaus kursierte: dass die von der SZ genannten Zahlen korrekt seien, die Aufarbeitung aber erst nach der Preisverleihung beginne. Genau so war es dann auch tatsächlich. Ein Zufall?