Macht Bio überhaupt noch Sinn? Das Dilemma mit dem Biosprit

Biokraftstoffe, einst als saubere Alternative zu Benzin und Diesel gehandelt, richten in den Augen vieler Kritiker mehr Schaden als Nutzen an. Die Politik ist ratlos und hofft auf eine neue, effektivere Biotreibstoff-Generation.

Von Susanne Kilimann

Jedes Jahr im Frühling leuchten Teile von Deutschland wochenlang in grellem Gelb. Seit Jahrzehnten haben die Flächen, die für den Anbau von Raps genutzt werden, stark zugenommen. Anfang der achtziger Jahren ware es noch weniger als 20.000 Hektar. Mittlerweile breiten sich die gelben Pflanzen hierzulande auf rund 1,5 Millionen Hektar aus.

Längst wird Rapssaat nicht mehr nur für die Herstellung von Speiseöl und Futtermitteln genutzt. Als schnell wachsender Energieträger für den Antrieb von Autos haben die Korbblütler mit dem strengen Geruch eine gewisse Karriere gemacht. Heute werden zwei Drittel der deutschen Rapsflächen für die Kraftstoffproduktion genutzt. In einem chemischen Prozess, die Umesterung mit Methanol, wird aus dem Pflanzenstoff Biodiesel hergestellt.

Grünen Treibstoff für den Einsatz in Ottomotoren liefern dagegen Zuckerrüben, Mais und andere stärke- und zuckerhaltige Pflanzen, die nach der Vergärung als Bioethanol an der Tanksäule zu haben sind.

Vor ein paar Jahren standen die Energiepflanzen als Alternative zu mineralölhaltigen Benzin und Diesel noch hoch im Kurs. Die grünen Hoffnungsträger bekamen politische Rückendeckung, wurden steuerlich begünstigt und eroberten sich zwischen 2002 und 2007 einen Marktanteil von über sieben Prozent.

Der Treibstoff vom Feld verringere die Abhängigkeit vom Öl und von den Erdöl fördernden Ländern, so die Argumente der Befürworter. Zudem wurde das Klimaargument in die Waagschale geworfen. Biokraftstoffe seinen nahezu klimaneutral, hieß es. Bei ihrer Verbrennung im Motor würde nur etwa so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Pflanzen beim Wachstum aus der Luft genommen haben.

Doch wenn man den Herstellungsprozesses genau betrachtet, geht die Klimarechnung leider nicht auf. Bei der Veresterung von Rapsöl kommt Methanol zum Einsatz, das in aller Regel aus Erdgas gewonnen wird. Somit steckt auch fossile Energie im Biodiesel. Zudem wird sowohl in den Ölmühlen als auch bei der chemischen Verarbeitung Energie eingesetzt. Ebenso für den Anbau der Pflanzen - egal ob es sich nun um Raps, Sonnenblumen oder wie in den USA vor allem um Soja handelt.